Sunday, May 30, 2010

Lena, Siegerin ohne Song


Ein sehr charmantes deutsches Mädchen, eigenwillig, selbstbewusst und jugendlich frisch. Und sie hopst auf der Bühne herum, als würde sie allein in der Disko tanzen. Genau das ist es, was die europäische Fernsehwelt beeindruckt hat. Und wer hat dieses kleine Wunder zu Stande gebracht? Der Medienmetzger Stefan Raab. Er durchschaut wie kein zweiter die seichten Gewässer dieses Massenmediums, dessen Erfolg auf der Langweiligkeit der Lebensführung seiner Zuschauer basiert.

Das Video „Satellite“ sollte man und frau sich besser ohne Ton anschauen, es ist sehr erfrischend und fast so wie der Besuch in einer Großstadtdisco, wo junge Mädchen, teils türkischer Herkunft, sich frei und energisch gebärden dürfen. Sie haben die gleichen Wünsche, wie Lena sie äußert, sich im Tanz um einen Traum-Mann zu drehen.

Wird dann der Ton zu geschaltet, gibt es für die Ohren eine herbe Enttäuschung: Der Song ist quasi gleich Null. Ein holpriger Beat aus dem Computer, inspiriert durch möglicherweise gute Originale; ein wenig Dub, ein wenig Funk und das wars dann. Der Text (wer hat ihn geschrieben?) ist absolut Klischee, keine Idee, keine Poesie, doch mehrmals deutlich „Love, Love, Love“ und natürlich die Kernaussage, die so kommt, als wäre sie 40 Jahre alt: Ich würde gerne dein Satellit sein... Könnte frau auf deutsch so nicht bringen.

Das hört der Stefan anscheinend gerne, so anspruchslos kann er sein. Aber es passt überhaupt nicht zu dem modernen Frauenbild, das laut Spiegel-online die Meyer-Landrut verkörpert. Das ist das Frauenbild der vor-vorigen Generation. Bei so einem Text und der noch etwas unbeholfenen Aussprache (sie pendelt vom Englischen ins Amerikanische) kann frau die Englischsprachigen nicht gewinnen. Für die Engländer klingt auch der zweite Nachname der Lena dummerweise wie "Land-Ratte".

Zum Glück gibt es keine Melodie. Wer weiß was für eine Schnulze dabei herausgekommen wäre! Also insgesamt ein Schlagerchen, das man/frau nur einmal zu hören braucht, und wer den Ton ausschaltet, hat das bessere Programm.

Nur der völlig abgebrühte Stefan Raab konnte die Dreistigkeit besitzen, zum Song-Contest ohne einen wirklichen Song anzutreten. Denn dumm ist er ja nicht. Er muss das gewusst haben. Das Medium verlangt es nicht.

Es ist nicht zwingend, dass beim Song Contest der Eurovision ein Song gewinnt. Da genügt manchmal auch die Präsentation; ein nettes Mädchen, appetitliches, frisches Ökofleisch, wohldosiert, fast schon karg, wir sind ja alle so satt, und damit genau passend in die Szene 2010. Wir haben wieder eine Botschaft zu verkünden: Weniger ist mehr! Eine Gratulation zu der Konsequenz, mit der dieses appetitlich verpackte Nichts unverfälscht auf die Bühne gebracht wurde. Keine Drogen, keine Weichspüler, kein Madonnen-Sex.

Mehr Lyrik, mehr Song, mehr Musik wird in dieser Show nicht verlangt.


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