Thursday, May 27, 2010

Zu viel Geld (Essay)


Finanzmarkttransaktionssteuer, Finanzaktivitätssteuer und Finanzstabilitätsabgabe. Das sind Vorschläge für Regierungen, wie sie vielleicht die Aktivität der Spekulanten bremsen könnten und gleichzeitig selber ein wenig von den Transaktionen profitieren. Das grundsätzliche Problem der Finanzkrise wird dabei nicht diskutiert:

Es gibt einfach viel zu viel Geld auf der Welt. Zu viele Dollars, zu viele britische Pfunde und zu viele Euros.

Diese Behauptung erscheint nur deshalb pervers, weil das Geld so ungleichmäßig verteilt ist. Die meisten Menschen glauben nämlich, zu wenig Geld zu haben und niemand sagt, er hätte zu viel. Dabei ist Folgendes zu beachten: Für die einen ist Geld das Tauschobjekt, mit dem sie ihre Bedürfnisse befriedigen, Essen, Trinken, Wohnung, Kleidung, Freizeit, Urlaub, Auto, Unterhaltung... da gibt es tausende Möglichkeiten. Lebensunterhalt und Konsum.

Für die Leute in der Finanzwelt hat Geld aber eine ganz andere Funktion: Geld ist das Mittel zum Gelderwerb.

Da ist eine Million die Maßeinheit. Wer mitspielen will, muss Millionen in Sekundenschnelle platzieren und verschieben (können). Dabei wäre der Gedanke, was man oder frau mit einer Million auch sonst noch machen könnte, sehr hinderlich. Die Million ist wie ein Chip, mit dem gespielt wird und ein Gewinn von 0,1% ist schon stattlich, wenn er in wenigen Minuten oder Stunden erfolgt. Das sind 1000 Dollar oder Euro oder sonst was.

Geld ist für die Finanzwelt und ihre Spekulanten nur Spielgeld. Um dieses Spielgeld in die Hand zu bekommen, sind oft große Anstrengungen erforderlich. Eine Möglichkeit ist die, eine Banklehre zu machen und dann den Beruf eines Investment-Bankers zu ergreifen. Die spielen mit dem Geld der Bank, nicht mit ihrem eigenen. Sie spielen ohne Risiko und lassen sich dafür riesige Provisionen auszahlen. Die andere Möglichkeit ist die, Spekulant zu werden. Dazu muss man oder frau erst einmal ein Vermögen von einigen Millionen haben.

Wie komme ich an so ein Vermögen? Meistens durch Erbschaft, selten durch Glück, nie durch Arbeit. Die Entwicklung der letzten 20 Jahre zeigt aber deutlich, dass sich die großen Vermögen vergrößert und die kleinen verkleinert haben. Das ist Gesetz und es ist auch so gewollt. Die Regierungen aller Länder bestreiten, dass sie das gewollt haben, aber das kann nicht sein. Denn es ist ja passiert und zwar nach den Gesetzen, für welche die Regierungen verantwortlich sind. Denn das ist ihr Job, die Gesellschaft durch ihre Gesetze zu steuern. Die Akkumulation von Kapital ist also begünstigt worden, was dadurch bewiesen ist, dass sie stattgefunden hat.

Die Geldmenge aber ist das Hauptproblem. So lange so viel Geld existiert, wird es Operateure geben, die wissen, wie sie es in die Hand bekommen, das muss zwangsläufig erfolgen, weil es ja vorhanden ist und zwar auf dem Finanzmarkt, nicht in den Tresoren alter Witwen. Die Frage lautet also: Wie kann die Geldmenge reduziert werden?

Eins ist sicher, es geht nicht durch Inflation, das ist genau das Umgekehrte. Nur, wenn die Inflation zur totalen Entwertung führt und eine neue Währung geschaffen wird, dann ist das alte Geld weg und das neue kommt in einer vernünftigen Menge auf den Markt. Dieser Vorgang ist grausam wie eine Geburt und nachdem es vor gut 80 Jahren passiert ist, wird eine solche Inflation gezielt verhindert. Dabei ist die Geldmenge stetig gestiegen und jetzt erzeugt der enorme Geldüberfluss in der Finanzwelt ganz andere Blähungen und Krankheiten, die nicht weg zu operieren sind. Auch der Bauch rumort, wenn einer 10 Liter Bier getrunken hat und wenn das ein Dauerzustand bleibt, gibt es Leberschäden und Darmkrebs.

Auf einem realen Markt mit Früchten z.B. könnte die Menge der zu viel angeschleppten Ware nicht soviel Schaden anrichten, weil die Apfelsinen, Äpfel, Mangos oder Ananas nach ein paar Tagen verfaulen würden und auf dem Kompost landen. Der Fehler ist also, dass Geld die unnatürliche Eigenschaft hat, nicht schlechter und unbrauchbar zu werden, es nutzt sich nicht ab, wie alle anderen Dinge, die man oder frau dafür kaufen kann.

Gebraucht wird also ein Mechanismus, der das Geld nach einiger Zeit automatisch weniger macht. Schon vor 100 Jahren hat ein Außenseiter namens Silvio Gesell eine Lösung vorgeschlagen, die inzwischen durch die digitale Technik ganz praktisch realisierbar ist.










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