Friday, June 11, 2010
"Krankheit mit System" Deutschland, ein Sommerloch (Essay in 3 Teilen/2)
2. Teil
Krankheit mit System
Natürlich ist das Gesundheitswesen die absurdeste Krankheit unseres Staates, doch ich will erst noch auf ein jetzt aktuelles Phänomen hinweisen: Niemand redet davon, dass die Staatsverschuldung ein Geld-Geschenk an die Finanzindustrie ist und zwar ein Geschenk von ungeheurem Ausmaß. Der Staat schenkt den Banken nicht nur die Zinsen für seine Anleihen, sondern auch die in dem Deal enthaltene Sicherheit. Denn der Staat ist sicherer als die Banken und Versicherungen. Er gibt damit den Banken ein festes Einkommen ohne Risiko und fast ohne Eigenleistung und sorgt außerdem für ihren guten Ruf durch seriöse Finanzpapiere, die sehr schön mit unseriösen Papieren gemischt werden können, so dass immer noch ein seriöser Eindruck bleibt.
Dies ist kein deutsches Phänomen, sondern es gilt für alle Länder mit enormer Staatsverschuldung, also auch für USA, Italien, Belgien, Griechenland usw usw usw. Ob diese Staatsgeschenke die Banken zu ihrem euphorischen Höhenflug verleitet haben, so dass sie völlig losgelöst von den Gesetzen der Ökonomie zu sein glaubten und so die Finanzkrise verursachten, ist nur ein Verdacht, dem einmal nachgegangen werden sollte. Die letzte, ganz aktuelle Perversität besteht darin, dass sich der Staat noch mehr verschuldet, um die Profiteure seiner Verschuldung, die Banken, vor dem selbst verschuldeten Untergang zu retten, durch ganz enorme Finanzspritzen. (Wer die Logik dieser Aktion versteht, sollte sich bitte melden.)
Eine andere Gruppe von Nutznießern der schlechten Innenpolitik sind die Steuerexperten und Juristen, also Rechtsanwälte und Steuerberater; sie profitieren von den unerledigten Gesetzesaufgaben der Parlamente Bundestag und Bundesrat genau so gut wie ihre Klienten, die Steuerbetrüger, allerdings völlig legal.
Wenn jemand so etwas äußert, was die schlanke Wahrheit ist, wird er gerne als Neider beschimpft. Doch auch Neid hat seine guten Seiten: Der Ingenieur, der den Rechtsanwalt beneidet, weil der mit viel weniger Einsatz mehr Geld verdient, in seinem Cabriolet spazieren fährt und vom Dschungel der Gesetzte lebt, der Herr Ingenieur wird vielleicht seinem Sohn abraten, ebenfalls Ingenieur zu werden, weil man dort mühsam in Anerkennung der Naturgesetze Neues schaffen muss. So sterben deutsche Ingenieure aus und Anwälte kommen hinzu. Das ist bedarfsgerecht, denn Ingenieure brauchen wir bald nicht mehr, wenn es keine innovative Industrie in Deutschland mehr gibt.
Wer will einem begabten Jungen Mann oder einer begabten jungen Frau klar machen, dass das Studium der Chemie sich lohnt, wenn später ein simpler Hausdoktor das doppelte verdient, und warum sollte einer in die Geheimnisse der Physik eindringen, wenn er als Strahlenarzt das fünffache verdienen kann und außerdem noch Selbständiger ist und sein eigener Herr. Im Vergleich zu Spitzen-Medizinern lohnt es sich nicht einmal Bundeskanzlerin zu werden, für eine Physikerin ist es jedoch ein Karrieresprung.
Das bundesdeutsche Gesundheitswesen ist ein Fall, über den man Bücher schreiben könnte, ich will hier nur kurz die wichtigsten Phänomene anreißen, es ist allerdings für logisch denkende Menschen schwer verständlich.
Wie in jedem denkbaren Gesundzeitssystem werden Dienstleistungen erbracht, welche die Gesundheit der Patienten, die sie beanspruchen, verbessern sollen. Das ist aber auch schon das einzig Normale, alles andere ist kompliziert, verschroben und kontraproduktiv. Wenn einer in einem utopischen Roman berichten würde, dass auf einem fernen Planeten in einem hirnrissigen Kleinstaat so ein System zur Gesundung der kranken Menschen existierte, würde niemand das für realistisch halten. Aber der Planet heißt Erde und das hirnrissige Land heißt Bundesrepublik Deutschland.
Das System ist nicht wirtschaftlich, sondern angeblich ist es sozial. Es ist aber nicht gerecht, sondern elitär. Es ist nicht rational, und auch nicht rationell, sondern verschwenderisch. Es ist nicht effektiv und es ist nicht gesund. Es funktioniert folgendermaßen:
(Weiter mit Teil 3
Freiheit eines Krebsgeschwürs)
Subscribe to:
Post Comments (Atom)
No comments:
Post a Comment