Tuesday, April 12, 2011

Fukushima, Sodom und Gomorrha / Essay Teil 3

3.
Energiewende

Wir sollten nicht nur aus Katastrophen lernen, wie der von Fukushima. Ein Fingerzeig in die richtige Richtung ist schon die Entwicklung der Datentechnik.

Elektronik und Informatik haben der Wirtschaft riesige Räume und Gewinnmöglichkeiten geöffnet,  ohne dass mehr Energie verbraten wird. Diese Techniken haben sich mehr und mehr von der Energie gelöst. Noch nie wurde für die Verarbeitung von Information so wenig Energie benötigt wie heute. 

Noch nie war soviel Wirtschaft, Kreativität und Sozialkontakt für eine Kilowattstunde zu haben.

Gigabites für Milliwatt.

Was dem Einsparen von Energie entgegen steht, ist also nicht die Technik, sondern der Mensch mit seinem veralteten Wirtschafts-System, das in erster Linie auf Konsum beruht.  


Mit Energie sparen lässt sich nichts verdienen, mit Engergie-Verschwendung aber wohl!

Das beliebteste Energie-Verschwendungs-Gerät sind Klima-Anlagen. Und täglich werden es mehr. Da wird
Kälte durch Energie erzeugt. Wie ist das möglich? Das ist Themodynamik, genauer, das Verfahren von Linde. Kaum einer versteht, wie es funktioniert. 

Die meisten Autofahrer wissen gar nicht, dass es mehr Energie, also Sprit, kostet, wenn das Auto eine Klima-Anlage einsetzt. Sie finden es angenehm, es ist irgendwie komfortabel und für die Wirtschaft ist es aus diesem Grunde leicht zu vermarkten.

Die Amerikaner sind wie immer die Vorreiter, wenn es darum geht, Energie zu verschwenden. Erst baute man Klima-Anlagen in Hochhäuser, deren Fenster man nicht öffnen darf, damit keiner hinausspringt, jetzt gehören sie in jedes Auto.

Energie-Verschwendung ist für viele ein Konsum-Erlebnis, Energie sparen ist es nicht.  


Ski-Hallen in den Niederlanden und in Dubai Hubschrauberflüge zum Bergsteigen, übermotorisierte Autos überall, Benzinkutschen, die 35% Steigung hochfahren könnten, wenn sie wollten,  bis sie nach hinten kippen. Sie sind geländetauglich, schaffen aber auch 160 km/h auf der Autobahn und verbrauchen 1,5 bis 2 Liter Kraftstoff pro Kilometer. Ein Drittel davon würde genügen, sich angenehm fortzubewegen, wenn das Sparen von Sprit vom Energie-Konsumenten ernst genommen würde.

Noch mehr Kraftstoff können diejenigen sparen, die zu Fuß gehen, mit dem Fahrrad fahren oder mit der Straßenbahn, also am meisten die Chinesen. Zum Einkaufen und Konsumieren
im Aldi-Land braucht man & frau aber undbedingt ein Auto. Am besten gleich klimatisiert, damit im Sommer beim Wochenend-Stau die Butter nicht schmilzt.

Wir können uns das leisten, denken wir, doch dieser Gesichtspunkt ist falsch. Der Verbrauch von Energie ist nicht nur Konsum, sondern persönliche Umwelt-Politik.

Energie sparen ist wichtiger als Geld sparen.

Der Satz ist absolut gültig. Doch er widerspricht unserem Wirtschaftssystem; denn da gilt: Nichts ist wichtiger als Geld. 


Sogar die Zeit soll nicht mehr wert sein als Geld!

Zeit ist Geld, sagen sie, dabei ist jede Sekunde Zeit ein Teil unseres Lebens. Wer Zeit für Geld opfert, verkauft ein Stückchen seines Lebens. An diesen fundamentalen Zusammenhängen lässt sich leicht erkennen, dass unser Wirtschaftssystem zum eigenen Leben oft im Widerspruch steht.

Als der Reaktor in Tschernobyl in die Luft ging, war es ein Vorzeichen für den Untergang des sowjetischen Systems der Planwirtschaft. Die Ursache war Schlamperei. Wir sagten, das ist sozialistischer Schlendrian, das kann bei uns nicht passieren. Genau das sagten sich die Japaner auch. 


Möglicherweise ist Fukushima ein Vorzeichen für den Untergang der kapitalistischen Konsumwirtschaft oder des Geldsystems, welches Geld als höchsten Wert hinstellt. Fukushima ist auf jeden fall ein Signal gegen die alltägliche Verschwendung von Energie.

In Regierungskreisen heißt das Wort der Stunde Energiewende; denn Wende ist immer gut. Wende klingt harmlos, vertraut und indifferent


Die Energiewende ist ein Wort, das von der einzig richtigen Lösung des Problems ablenken soll. ((Man kan sich drehn und wenden wie man will, der Arsch bleibt immer hinten. Man kann Merkel durch Kohl widerlegen, man kann den Teufel durch Beelzebub austreiben.)) Es gibt fundamentale Gesetze, sogenannte Naturgesetze, die stärker sind als die Gesetze der Wirtschaft und der Finanzen, auch stärker als der Wille von Politikern.

Das einzige, was wirklich überall hilft, ist Energie sparen. Es ist die billigste, sauberste und vor allen Dingen die intelligenteste Lösung. Wenn unser Wirtschaftssystem diese Lösung nicht zuläßt, wird sich erst dieses Wirtschaftssystem von selbst zerstören.


Zum Beispiel durch (Wirtschafts-)Krieg.

Schon jetzt ist sicher: Wenn es noch einmal einen Weltkrieg geben wird, wird er für Energie gefochten. Und der Krieg wird mehr Energie verschlingen, als durch ihn zu gewinnen ist. Vom Geld ganz zu schweigen. 


Krieg ist ja so teuer geworden, dass selbst die Amerikaner sich manchmal zurückhalten müssen. Sie fangen nur noch Krieg an, wo es um Energie geht. Aber Krieg ist die größte Energieverschwendung, die es gibt.

 

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