Friday, October 28, 2011

Gerettet und verschoben

Wie Politik in der Mediendemokratie funktioniert, können wir heute wunderbar erkennen:

Angela Merkel hat den Euro gerettet.

So lauten die Schlagzeilen der Boulevardpresse. Gleichzeitig erfahren wir online vom Spiegel, dass jetzt die europäische Schuldenkrise da ist und auf der ganzen Welt Helfer gesucht werden, vornehmlich in Staaten, die wir als nicht-demokratisch bezeichnen: China, Russland und arabische Monarchien.

Tatsache ist aber:

1. Eine Eurokrise hat es nie gegeben. Sie ist ein reines Medienereignis. Daher hat auch niemand den Euro "gerettet".

2. Die Schuldenkrise gibt es seit wenigstens 30 Jahren und hat keinen Sensations-Wert.
 
Vor der Einführung des Euro hatten Griechenland und Italien, aber auch Frankreich ihr Staatsdefizit durch schleichende Inflation beglichen. Die Lira, die Drachme und der Franc verloren gegenüber DM und Schweizer Franken ständig an Wert, weil die Staaten ihre Schulden mit neu gedrucktem Geld bezahlten.

Der Euro sollte so stabil sein wie die DM. Ohne Frankreich geht nichts in Europa, also musste Frankreich dabei sein und bis Italien ist es auch nicht weit, zumal Norditalien ein stabiler Wirtschaftsraum ist. Sie könnten, wenn sie wollten.

Nach der Einführung des Euro wurde die Inflation durch Schuldenmachen ersetzt. Griechenland allen voran. Aber selbst Deutschland hat seit Helmut Schmidt munter Schulden gemacht erst in DM, dann in Euro. Der Euro blieb stabil (im Vergleich zum Dollar), die Schulden, auch die deutschen, verteilt auf Bund, Länder und Kommunen, stiegen ins Unermessliche. (Das Schulden Verschmieren könnte eine deutsche Erfindung sein.)

Daran verdienten die Banken; sie bekommen Zinsen und verkaufen die Schulden weiter, machen sie zu Produkten. Die Politiker, die Schulden machen, haben ebenso verdient, man nennt das nicht Gewinne, sondern "Verdienste". Sie sonnen sich im Ruhm.

Helmut Schmidt als großer Macher war aber Schulden-Macher. Kohl als Wiedervereiniger machte ruckzuck aus dem Gewinn der Vereinigung einen riesigen Verlust, bezahlt durch Schulden. Das Vermögen der DDR wurde zum Flohmarkt-Preis verhökert und Kohl wartet immer noch auf den Friedens-Dynamit-Preis, gottseidank vergebens.


Griechenland drohte schließlich die Staatspleite. Wäre sie eingetreten, hätte jeder gesehen, wie das ist, wenn ein Schuldenstaat pleite geht. Wie bei einer normalen Pleite wäre die Ausfall-Quote für griechische Staatsanleihen wohl mehr als 80% gewesen. Das wurde jetzt verhindert. Die Banken bekommen 50% und wehklagen, obwohl sie mit 50% noch gut bedient sind. 

Nach einer Griechen-Pleite hätten alle gefragt: Wer ist der Nächste Kandidat: Italien. (Beide Länder, GR und I,  hätten nicht in den Währungsraum aufgenommen werden dürfen. Darum haben stabile Länder wie Schweden und Dänemark nicht mitgemacht. Sie rochen die Lunte, ebenso die Briten, die gerne mit ihrem Pfund wuchern.)

Es ging also hauptsächlich um Italien. Was wäre Europa ohne Italien? Das schönste Land! Mit der hässlichsten Regierung...

 
Es wurde nicht der Euro gerettet, sondern es wurden Regierungen gerettet, die ihre Schulden nicht bezahlen (wollen). Auch Regierungen der Vergangenheit wie die Regierungen der beiden deutschen Helmuts. Und Regierungen der Zukunft, die weiter Schulden machen dürfen und das ist das Schlimmste dabei.

Jetzt erst einmal sind die Schulden über den gesamten Währungsraum verschmiert, wodurch sie keineswegs geringer geworden sind. Nur die Quote von Griechenland entlastet ein wenig; da hat Merkel dran gedreht und jetzt darf sie für einen Tag lang auf der Bild lachen.

Gerettet wurden Regierungen von ihren ebenfalls gerne regierenden Kollegen. An erster Stelle Papandreou junior (!) und Berlusconi (!!!). Dafür musste Silvio sich eine Standpauke von Merkel und Sarkozy anhören, was er mit Sicherheit leicht weggedrückt hat. 


Berlusconi ist im Hauptberuf Medien-Zar in einer Mediendemokratie schlimmster Sorte und mit allen Wassern gewaschen: Seifenwasser, Geldwaschwasser, Weihwasser, Abwasser, Po-Wasser und jetzt auch mit  Merkeler Goldwasser und mit französischem Frucht-Wasser.

 

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