Monday, November 7, 2011

Ein Anfall von Demokratie (Kommentar)


Zugegeben, Giorgios Papandreou war mir unsympathisch, weil er der Sohn eines Polit-Prommis ist. Das war ein Vorurteil. Er hat einen grandiosen Abgang geliefert, an dem sich viele ein Beispiel nehmen könnten.

Erst hat er eine Volksabstimmung angekündigt, teils aus innenpolitischem Kalkül. Aber es war ein Schritt genau in die richtige Richtung: Das ist (wäre) Demokratie. Das Volk soll entscheiden und auch die Konsequenzen seiner Entscheidung tragen. Genau das geschieht ja nicht bei Meinungsumfragen, mit denen unsere Angela Merkel zu regieren versucht.

Das ist keine Demokratie, das ist politische Moderation. Meinunsumfragen sind keine Entscheidungen, sondern nur Meinungen; sie haben keine Konsequenzen und wer sich danach richtet, findet keine Entscheidungen wie Frau Merkel.

Wenn die Leute in Greichenland gegen alle Maßnahmen sind, die das Schuldenproblem mildern, dann sollen sie doch selber dagegen stimmen und nachher kann sich niemand beschweren über das, was dann geschieht: Der Absturz eines bankrotten Systems.

Und überall wurde gegen diese Vorschlag gehetzt, besonders stark in Deutschland, warum? Wir haben die Demokratie wirklich nicht erfunden! Die Deutschen lieben den Feudalismus, den Helmut Kohl wieder eingeführt hat. Gegen eine Volksabstimmung in Griechenland wird los gewettert. Demokratie ist aber immer noch die beste Staatsform, weltweit, Feudalismus ist eine Sache des Mittelalters, etabliert durch Karl den Großen, um das Jahr Null 800.

Und jetzt hat der griechische Demokrat Papandreou auch die konservative Opposition mit ihrem kompromisslosen Samaras ausgebremst, der alle konkreten Schritte aus der Krise ablehnt und mit dieser Taktik in den Meinungsumfragen vorne liegt.

Mr. P hat den Volksentscheid propagiert und ist sogar zurückgetreten. Weg frei für einen anderen Kandidaten, der genau das Gleiche tun muss wie er, mit oder ohne Volksabstimmung.

Die Konservativen Europas kriegen das Grauen. Es zeigt sich am Beispiel Griechenland, dass der politische Konservativismus fast nur noch darin besteht, die Zukunft abzublocken (siehe USA). Die Zukunft ist aber nicht zu vermeiden. Mit der Ausdrucksweise von Merkel: Es gibt keine Alternative. Zur Zukunft.

Griechenland ist wie ein Laborversuch, und alle die es "retten" wollen, haben Angst, die Wahrheit könnte ans Licht kommen:

* Dass die Schuldenmacherei der Regierungen im Tiefsten undemokratisch ist. 


* Dass wir durch diese Schulden in einen Abgrund treiben. Auch Deutschland.

Das Experiment Griechenland, würde es nicht künstlich gestoppt, brächte die Dinge ans Licht und würde einen Blick auf die Zukunft öffnen:

Zusammenbruch des Finanzsystens?
Inflation?
Wirtschaftliche Not?

Oder gar ein Krieg wie in früheren Jahrhunderten?

Die Finanzidustrie kämpft, denn sie ist gut gerüstet; sie hat das Geld unter Kontrolle und damit die Staaten, die bei den Banken so tief verschuldet sind, dass "die Märkte" es nicht mehr schlucken. 


Das bedeutet, sie können an den Schulden der Staaten nichts mehr verdienen. Schuldenpapiere, die nie bezahlt werden, sind keine gute Geldanlage. Sie sind wie vor 100 Jahren die Kriegsanleihen des Deutschen Reiches.

Und da kommt dieser Papandreou und macht auf einmal Politik! und Demokratie! statt Finazmanagement? Das ist doch unerhört! Demokratie im postdemokratischen Zeitalter.

Schaut euch genau an, wer dagegen wettert: Feinde der Demokratie, Polit-Schwätzer, Medien-Demokraten, Volksverdummer. (Einige sagen auch gerne: Marionetten des Kapitals; das ist psychologisch falsch.) Ihre Namen stehen in jeder Zeitung auf der ersten Seite.

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