1. Schleichende Inflation
Die Euro-Krise ist nicht eine Krise des Euro, sondern eine durch den Euro verursachte Krise der staatlichen Schuldenmacher, also der Regierungen von Griechenland, Italien, Spanien, Belgien, Frankreich, Irland, aber auch Deutschland. All diese Länder haben durch Verfassungsfehler Schulden angehäuft, die mittelfristig nicht mehr zu bedienen sind.
Dass dies zunächst nichts mit dem Euro als Gemeinschaftswährung zu tun hat, erkennen wir daran, dass Japan und USA in der globalen Hitparade der Schuldenmacher auf den vordersten Plätzen erscheinen, obwohl sie andere Währungen haben. Und Russland, ein Land, das zur Zeit nicht wohlhabend ist, hat die Schuldenkrise nicht, wahrscheinlich nur, weil niemand ihnen so viel Kredit gewähren will.
Zum Schuldenmachen gehören immer zwei: Einer der Kredit nimmt und einer der den Kredit gibt. Wer in diesem Fall die Kreditgeber sind, das entzieht sich der Öffentlichkeit, es wird vage umschrieben durch "die Märkte". Sicher ist, dass auf der anderen Seite genau soviel Guthaben sind wie die gesamte Staatsschuld aller Länder.
Diese Guthaben sind in "privater" Hand, wobei die Vermögen der Königshäuser von Saudi-Arabien und den Niederlanden zum Beispiel auch als "privat" gelten. Die Privaten haben Unmengen von Geld (Billionen), das sich der Kontrolle der Staaten entzieht, das wahrscheinlich nicht angemessen besteuert wird und das sie dann an Staaten gegen Zinsen ausleihen.
Jetzt wollen die Geldgeber ("die Märkte") die Zinsen erhöhen, weil ihnen die Staaten nicht mehr als kreditwürdig genug erscheinen, womit sie Recht haben, aber wem sonst sollten sie soviel Geld leihen? Und die überschüssigen Billionen haben sie nun mal, müssen sie also irgendwie anlegen, schon aus Platzmangel in ihren Tresoren. Diese Situation nennen die Verantwortlichen (Regierungen und Kreditgeber) die Euro-Krise.
Den Geldgebern und Geld-Disponenten (Fonds-Managern, Investoren von Versicherungen) geht es nicht um Reduzierung der Schulden, sondern um Erhöhung der Zinsen und um Erhöhung der Sicherheit. Sie hätten in ihren Tresoren anstatt von Italo-Wechseln lieber Euro-Bonds, für die auch Deutschland haftet. Das würde der weiteren Umverteilung von Kapital von unten (den Steuerzahlern und Völkern) nach oben (den Superreichen) sehr nützlich sein. Die sogenannten Experten in der Debatte vertreten meistens diese Position. (Es scheint, dass Merkel das gemerkt hat.)
Aber was hat der Euro überhaupt mit dieser Krise zu tun?
Der Euro ist eine Währung konstruiert nach dem Muster der Deutschen Mark. Das besondere daran ist, die Notenbank ist nicht gebunden an die Anweisungen der Regierung. Die Regierung kann kein Geld drucken. Und gerade das ist es, was vorher in den Ländern Italien, Griechenland, Frankreich und später auch Spanien immer geschehen ist. Wenn eine Regierung nicht genug Geld hatte, um ihre Versprechungen und Verpflichtungen zu bezahlen, dann hat sie frisches Geld gedruckt.
So kam es, dass die Lira, die Drachme, der Französische und der Belgische Franc und die Peseta jedes Jahr gegenüber der Deutschen Mark, dem Schweizer Franken und dem niederländischen Gulden beträchtlich an Wert verloren haben. Dieses Spiel nennt man "schleichende Inflation". Damit haben die südeuropäischen Länder ihren Staatshaushalt ohne Probleme durchgezogen, nur das Geld wurde immer weniger wert.
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