Friday, April 13, 2012

Franco und die Piraten #1 (Essay)

In der Musik-Szene hat sich das, was die Piraten fordern, längst etabliert. Die Folgen lassen erkennen, was passiert, wenn Tauschbörsen zehn Jahre lang funktionieren. Musik als Kunst, die etwas Neues zum Ausdruck bringt, ist tot.

Das Urheberrecht ist eine kulturelle Errungenschaft, die es möglich macht, dass professionelle Künstler Kunstwerke herstellen, die auch reproduzierbar oder einfach zu kopieren wären. Gäbe es kein Urheberrecht, würden Bücher, Schallplatten, Filme, Fotografien nicht professionell erscheinen, es gäbe nur Kopien und Imitate ohne akzeptablen Wert.

Dieser Zusammenhang gilt seit der Steinzeit. Die erste Kunst, die sich so verbreitet hat, ist Keramik. Damals war alles einfach; Hersteller und Künstler waren die Gleichen und wer den Krug mit Ornamenten haben wollte, musste irgendwie bezahlen.

Später erschienen Bücher und mit dem Buchdruck wurden Bücher in Mengen  reproduzierbar. Und erst nach Einführung des Buchdrucks gab es Romane und Romanschriftsteller, die davon lebten, zu schreiben, weil ein Verlag oder eine Druckerei ihnen garantierte, dass sie vom Verkauf der Bücher etwas abbekommen.

Es gab damals noch kein staatlich garantiertes Urheberrecht, aber es wurde so praktiziert! Davon hatten alle einen Vorteil: Die Autoren konnten leben und schreiben, die Verleger wurden möglicherweise reich und nicht zuletzt bekamen die Leser den Stoff, der ihnen gefiel.

Von diesem Punkt an bestand ein Problem, das nicht endgültig zu lösen ist. Es zahlt der, der das Buch kauft, nicht der, der es liest, obwohl letztendlich der Leser der Nutznießer ist. Das wird problematisch, wenn Büchereien Bücher hundert mal ausleihen und dafür Geld kassieren. Hier gibt es Regelungen mit denen hoffentlich alle zufrieden sind.

Seit etwa hundert Jahren gibt es Tonträger: Walzen, 78er, 45er und 33er Schallplatten und CDs. In dieser Zeit, also erst, seit Tonträger existieren, hatte die populäre Musik einen ungeahnten Aufschwung, insbesondere in der Phase der 45er und 33er Schallplatte. Diese Blüte der Musikkultur hätte es ohne Urheberrecht nicht gegeben.

Sollte jemand das bezweifeln, dann schaue er mal nach Afrika, wo es fast nur Raubkopien auf Musik-Kassetten gibt. Die populäre afrikanische Musik ist künstlerisch unserer anglo-amerikanischen gleichwertig, wenn nicht, sogar überlegen, aber trotzdem ist sie nicht zu einer solchen Blüte gekommen. Das liegt an der geringeren Ton-Qualität der Aufnahmen. Warum? Weil in Afrika
das Urheberrecht ignoriert wird.

Ein Beispiel: Das Orchestre OK Jazz von Franco Luambo. Das kennt hier natürlich fast keiner, doch es stellte alles in den Schatten, was je in Europa oder Amerika als Pop-Gruppe oder Big-Band eine Bühne betreten hat. Dreißig Musiker, darunter zehn Virtuosen, drei Sänger und ein Bandleader wie Franco. Er könnte als der beste Elektro-Gitarrist aller Zeiten gelten, hätte man seine Soli präzise aufgenommen.

Wir haben nur Frank Zappa und seine Mothers of Invention. Er war zwar als Komponist sehr kreativ, aber ein bescheidener Solist und über die emotionale Qualität seiner Musik lässt sich streiten. Franco Luambo dagegen ließ auch der Kreativität seiner besten Mitspieler freien Lauf, wie es sonst nur im Jazz üblich ist, und die Musik war emotional mitreißend. Frauen lieben sie. Es ist kongolesischer Rumba, genannt Soukous, und genau das, was das Volk in Zaire und später in ganz Afrika hören wollte.

Nur leider, leider sind die Tondokumente dürftig, schon deshalb, weil es in Kinshasa kein Studio und kein Equipment und daher auch nicht die Toningenieure gab, das alles gebührend aufzunehmen, auf 24-Kanal Multitrack. Das Einrichten von Tonstudios war vor 50 Jahren überall auf der Welt sündhaft teuer. Ohne die Erlöse von Tonträgern unmöglich zu finanzieren.  Wenn alle nur immer weiter kopieren wie in Afrika die Kassetten-Piraten, dann gibt es viele Zuhörer, aber keine perfekten Aufnahmen.

Das Verhältnis derjenigen, die Tonträger kaufen und bezahlen, zu denen, die einfach nur zuhören, kann sich im Laufe der technischen Entwicklung sehr verschieben. Hinzu kommt der Rundfunk. Es ist logisch, dass deshalb knifflige Urheberrechte berücksichtigt werden müssen und Gebühren fällig sind für das öffentliche Abspielen von Musik; insbesondere im Funk, der Millionen Menschen erreicht.

Mit der Erfindung der Tonbandgeräte kam eine neue Phase: Es wurde erlaubt, Musik für private Zwecke zu kopieren, auch an Freunde weiterzugeben, aber es war nie erlaubt, was in Afrika geschieht, Kassetten gewerblich zu vertreiben mit  Musik, an denen derjenige, der sie kopiert, keine Urheberrechte hat.

Das alles ist logisch und dient der Kunst, dient aber auch den legalen Nutzern, den Zuhörern, weil sie qualitativ hochstehende Aufnahmen bekommen und das immer wieder neu! Es zeigt sich aber, dass mit neuen technischen Entwicklungen, neue Urheberrechtsprobleme auftauchen, insbesondere, wenn das Kopieren von Werken einfacher, perfekter und quantitativ mehr wird.

Das digitale Zeitalter brachte uns als Datenträger die CD, später die DVD, die sich digital kopieren lassen, fast ohne Qualitätsverlust. Die Musikbranche war längst zur Industrie geworden und setzte die neue CD gierig ein, in erster Linie zum Geld Verdienen, zur Profit-Maximierung, nicht mehr zur Innovation der Musik.

CDs sollten jetzt doppelt soviel kosten wie LPs. Dieser Preis war eigentlich nicht gerechtfertigt, wurde aber durchgesetzt und wurde in allen reichen Ländern, insbesondere USA, Japan, Deutschland und UK akzeptiert. Die Einnahmen der Musikindustrie stiegen enorm, weil das gesamte Repertoire der LP-Zeit noch einmal erscheinen konnte und... gekauft wurde.

In dieser Situation ist verständlich, dass sich niemand mehr groß Gedanken machte, wie es mit den Kopier-Möglichkeiten der CD aussieht. Einmal digitalisiert, ließ sich Musik wieder auf CD brennen und weiterreichen. Das ist alles noch legal und tolerierbar.

Dann kamen Internet und MP3-Format. Ein Song ließ sich als E-Mail verschicken, okay. Wie bisher war die Weitergabe an Freunde und Bekannte erlaubt, es war legal und es schien noch immer unschädlich zu sein für die Seite der Produzenten und Künstler.

Jeder weiß, wie es weitergeht. Speicherkapazitäten ohne Ende, Datenautobahnen und das alles wird im Internet für jeden, auch Studenten, Schüler und Geringverdiener zugänglich.

Ein pfiffiger Programmierer erfand dann die Tauschbörse Auf einmal war alles, was das Herz begehrt, zum Download verfügbar und zwar nicht von professionellen Anbietern, sonder es wurde organisiert von Fans, die Musikfans und Computerfreaks in einem waren. Das waren so ähnliche Typen wie früher die Freunde, denen man eine LP geliehen hatte zum Überspielen auf MC.


2. Teil sofort anschließend!

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