Teil 3
Geldvermehrung und Vernichtung
Geld hat immer eine materielle Funktion gehabt, die auf einer Konvention beruht. Irgendwann wurde bei einigen Geschäften eine weitere Vereinbarung getroffen:
Die Erhebung von Zinsen auf geliehenes Geld.
Heute leihe ich dir 100 Lire, in einem Jahr zahlst du sie zurück. Aber ich will dann nicht 100, sondern 103 Lire von dir haben, zur Belohnung, weil ich dir Geld geliehen habe. Außerdem trage ich ein gewisses Risiko, einer von zwanzig Kreditnehmern zahlt nicht zurück. Das entspricht 5% Kreditausfall. Dieses Risiko sollst du mir vergüten, also musst du mir nach einem Jahr 108 Lire zurückzahlen.
Aus diesem Vorgang der Kreditvergabe ist das Bankenwesen entstanden, zuerst in Italien, daher haben wir die Währung Lira (Plural Lire), genannt, was einmal ein Pfund Silber bedeutet hat. Das Bankenwesen hat nach diesem ersten Erfolg gleich ein abstraktes Postulat aufgestellt:
Geld sollte sich vermehren.
Dies ist weder ein Gesetzt des Geldes, denn es geht aus der Konvention über Geld nicht hervor, es ist auch kein Satz der Geldreligion; denn die Forderung gab es schon vor der religiösen Phase. Innerhalb der Bankwirtschaft ist die Regel, dass Geld sich vermehren soll, eine Arbeitsanweisung. Nach außen hin ist es ein Postulat, das nicht jeder anerkennen muss, im Gegenteil:
Das Postulat, dass Geld Zinsen bringt und sich immer weiter vermehren soll, steht nicht nur im Widerspruch zu Bibel und Koran, sondern auch zu unserer Erkenntnis, dass jeder Gebrauchsgegenstand mit der Zeit an Wert verliert und dass es bereits viel zu viel Geld auf dieser Welt gibt.
Das Bankenwesen hat trotzdem ein paar Jahrhunderte nach diesem Prinzip gearbeitet und damit sogar Geld erzeugen können (durch gironale Geldschöpfung). Zuletzt hat sich das Bankenwesen zur Finanzindustrie entwickelt, die mit Maschinen, sprich Computern, Geld so schnell verschiebt, dass es täglich um den Globus schwappt. Dabei ist die Geldmenge so stark angeschwollen, dass ab und zu Geldvernichtung in hohem Maße erforderlich wurde. Sonst würde das Geld an Wert verlieren. Und wer betreibt die Geldvernichtung?
Das Geldsystem selbst.
Die Geldvernichtung wird von den gleichen Leuten und Institutionen betrieben wie die Geldvermehrung, es ist eine Art der Entsorgung, die wie auf allen anderen Gebieten, wo entsorgt wird, zu den fiesen Seiten des Lebens gehört und wie das Beseitigen von Exkrementen im Geheimen (hinter verschlossenen Türen) geschieht.
Dieser Vorgang ist im Finanzsystem aber nicht geregelt, er geschieht in einer Katharsis, ungewollt, kolikartig und ist mit Schmerzen und Krämpfen verbunden. Daher die große Angst vor diesem finalen Geld-Fäkalien-Geschäft.
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