Wednesday, June 30, 2010

Krankheit und Intelligenz - Alternativen im Gesundheitssystem


Die Meldung des Tages über Krankenkassen lautet:

Bei den Assekuranzen wächst die Angst vor dem Zusammenbruch des kompletten Systems. Leidtragende wären vor allem die Versicherten...

 
Dass die Leidtragenden vor allem die Kleinen sind, ist keine Neuigkeit; das ist die Konstruktion unseres postdemokratischen Systems. Erfrischend ist die Formulierung: ...wächst die Angst vor dem Zusammenbruch des kompletten Systems. Wer hat da Angst vor? Die Versicherungen? Wir nicht!

Der Zusammenbruch des absurden deutschen Krankenversicherungssystems ist das beste, was uns auf diesem Gebiet passieren kann. Besser wäre nur eine systematische Demontage und Neu-Konstruktion. Wer könnte das bewerkstelligen? Nur die Regierung und die zuständigen Organisationen.

Das sind aber genau diejenigen, die das Problem konstruiert haben. Es ist eine weit verbreitete Illusion darauf zu hoffen, dass die Verursacher einen Problems auch die Lösung bringen. Es würde Einsicht voraussetzen und die ist nicht vorhanden.

Die wichtigste Einsicht wäre erst einmal die, wie absurd das bestehende Gesundheitssystem ist. Genau das habe ich am 11. Juni hier beschrieben und wer es nicht gelesen oder wieder vergessen hat, sollte dort nachlesen. 


Friday, June 11, 2010
Deutschland, ein Sommerloch (Essay in 3 Teilen/3)
3. Teil
Freiheit eines Krebsgeschwürs

Dies sind nur einige grobe Richtlinien, wie das System gesunden könnte; jede einzelne Schritt wäre machbar und würde schon Erfolg bringen, aber, aber, aber bei der Interessenlage und der Machtverteilung, der Stärke der Lobbyisten und der mangelnden Intelligenz der Akteure, ist nichts davon durchsetzbar, wie es die Politiker so gerne formulieren.  

Zum Stichwort Intelligenz eine Anmerkung. 


Intelligenz bedeutet nicht Allgemeinwissen und auch nicht Denk- oder Sprechschnelligkeit, sondern es kommt vom lateinischen Wort intellegere und das bedeutet einsehen. Intelligenz ist die Fähigkeit, Dinge einzusehen, auch wenn sie den eigenen Gefühlen, Vorstellungen und Interessen widersprechen. Der nächste intelligente Schritt ist dann, nach den Einsichten zu handeln.

Und auch eine Bemerkung zum Stichwort durchsetzbar


Ein fürchterlicher Begriff, der hier gar nicht benötigt wird. 

Alle Gesetze, Methoden und Erkenntnisse über Versicherungen, Kosten, Krankenstatistik, Einkommensverteilung, Bevölkerungsstruktur usw usw usw sind mathematischer und statistischer Art. (Statistik ist ebenfalls ein Zweig der Mathematik.)

Für Mathematik aber gilt: Sie braucht nicht durchgesetzt zu werden, sie setzt sich von selber durch. 


Mathematik hat den Charakter von absoluter Gesetzmäßigkeit, vom Menschen, also auch vom Politiker nicht beeinflussbar. Weder verbal (Wahlreden) noch durch Propaganda (Öffentlichkeitsarbeit und Lobbyismus).

Die erste Wissenschaft, welche die absolute Gültigkeit mathematischer Gesetze anerkannte und auch angewendet hat, war die Physik, das ist ihr großer Erfolg in nahezu 500 Jahren. Von einer Politikerin, die einmal Physik studiert hat, sollte man und frau solche Einsichten erwarten, aber unsere Frau Bundeskanzlerin scheint ihre Intelligenz verloren, vergessen, verraten oder verkauft zu haben.

Tuesday, June 22, 2010

Arbeitsurlaub (Redaktioneller Hinweis)

KritLit.de
 
macht an dieser Stelle eine Woche lang Pause zwecks Arbeitsurlaub. Es muss Geld verdient werden; denn

das Bloggen allein
bringt ja nichts ein.


Wir wünschen den politischen Akteuren in Toronto nicht nur viel Security und kulinarische Genüsse sondern auch ein wenig Inspiration und den Lesern einen kritischen Blick.


Unsere Hoffnung ist sehr gedämpft, denn das zentrale Problem, dass es zu viel Geld, Cash, Devisen, Währung auf den Finanzmärkten gibt, dieses Problem wird von den Regierenden nicht gesehen, weil sie als große Verschwender immer glauben, zu wenig Geld zu haben.

Es gibt zu viel großes Geld in den Händen der Finanzakrobaten und zu wenig kleines Geld in den Händen der normalen Bürger. 

 
Die sogenannten Turbulenzen auf den Finanzmärkten entstehen dadurch, dass es erstens zu viel Finanzanz-Masse gibt, die den Akteuren und Zockern zur Verfügung steht und dass dieses Geld zweitens im Zeitalter der digitalen Transaktionen in  Sekundenschnellelle bewegt werden kann. Vielleicht finden die Damen und Herren Regierenden wenigstens einen Weg, diese neue Beweglichkeit der Finanzen einzudämmen.   

Geld hat sich in zwei verschiedene Teil-Währungen aufgelöst: 


Das Kleingeld in den Händen der Leute, die Geld verdienen und es ausgeben, man könnte es auch Handgeld nennen, und das Große Geld (Millionenbeträge) in den Händen derjenigen, die Geld benutzen, um damit Geld zu verdienen. Dieses Geld ist eine Art Spielgeld von viel geringerem Wert. Leider ist beides in der Realität 1:1 konvertierbar.  

Ein Euro oder Dollar Spielgeld ist höchstens einen Cent wert.

Daran werden auch die Toronto-Urlauber nichts ändern.

Saturday, June 19, 2010

Warten auf ein Toooor (philosophischer Kommentar)


Den Deutschen läuft die Zeit davon...

So stand es am Freitag, den 18.06.2010 im Spiegel-Oline. Da wurde während des verloren gegangenen Fußballspiels gegen Serbien die kleine Leserschaft, die jetzt nicht am Fernseher saß, von einem ebenfalls nicht ganz fußballsicheren Redakteur mit kurzen Zwischenberichten auf dem Laufenden gehalten... Den Deutschen läuft die Zeit davon. Eine tiefe Erkenntnis, wirklich, es sah aus wie eine philosophische Einsicht, die da auf einmal zwischen den bunten Medienereignissen auftauchte.

Es war natürlich nicht so gemeint, denn es war nur auf das kurze Spiel von 90 Minuten gemünzt. Aber gleich mussten wir daran denken, dass wir noch vor einer Woche eine Regierungskrise hatten.

Die Regierung wurde durch die Fußballweltmeisterschaft erst einmal in die nächste Runde gerettet, aber den Deutschen läuft jetzt die Zeit davon. Vor dem Spiel, im Spiel und nach dem Spiel. Seit Jahren schon. Wenigstens seit 10 Jahren.

Denn wenn wir ehrlich sind, ist hier in den letzten 10 Jahren nichts geschehen. Außer vielleicht einer Fußballweltmeisterschaft, aber das war ja nur Spiel. Das können andere auch. Und dabei geht es mit leichtem Gefälle weiter in den Abgrund. Keine Panik auf der Titanic! Gegen gerudert wird nicht, das wäre uns zu anstrengend.

Fußball ist weit weniger anstrengend, besonders, wenn man nur zuschaut. Inzwischen schaut frau auch zu, wie man spielt. Wie Mann sich anrempelt, abdrängt und ins leere laufen lässt, den Ball ins Aus abfälscht und dann wieder über die Flanken stürmt bis zum nächsten Fehlpass.

Irgendwann fallen sich ein paar halbwegs erwachsene Männer in die Arme, nehmen sich um den Hals und jubeln. Der Sieg ist nahe... Aber den Deutschen läuft die Zeit davon. Auch während des Spiels.

Dabei läuft die Zeit hier bei uns gar nicht schneller als woanders, in China oder auf dem Balkan. Auch nicht schneller als früher, das scheint nur so. Sie läuft uns davon, weil wir sie nicht ergreifen. Wir hoppeln von einer Auszeit in die nächste:

Ostern, Maifeiertag, Vatertag, Pfingsten, Fronleichnam, Fußballweltmeisterschaft, endlich Ferien, Urlaub, dann Kirmes, Oktoberfest, Nationalfeiertag, Allerheiligen, Advent, Advent, Weihnachten, Neujahr, Olympische Winterspiele, Karneval, Karfreitag, Ostern, Ostermontag, Tag der Arbeit, Christi Himmelfahrt.

Dazwischen noch all die Fußballwochenenden, das Ehemaligentreffen, Geburtstage. Ab und zu Beerdigungen, Hochzeiten, Jungessellenabschied, Grillabende, Ausflugsziele.

Zwischendurch wird auch mal krank gefeiert. Das heißt, wir sind dann wirklich krank. Krank gefeiert und krank gegessen. Krank getrunken und krank geschrieben.

"Krank geschrieben? Wie meinst du das?"
"Ich meine nicht, dass ich mich hier krank schreibe, ich meine: Sich krank schreiben lassen, vom Arzt."
"Ach so! Und dann endlich mal in Kur geschickt."
"Genau, Abmagerungskur, zur Meditation, Erlebnis-Sport."
"Nervenkitzel."
"Rock-Konzerte."

Das tut gut, auch wenn das Programm 20 Jahre alt ist und älter. Paul McCartney in Dortmund, die Rolling Stones überall. U2, ACDC. Selbst Neil Diamond lässt sich wieder sehen und der alte Cliff Richard... natürlich Peter Maffay, die Toten Hosen, Fehlfarben.

"Wir fahren, fahren, fahren auf der Autobahn und  

starren, starren, starren in den Rück-spie-gel."
"Und was siehst du da?"
"Ich sehe nur, den Deutschen läuft die Zeit davon."

Es ist stinklangweilig hier, weil es so viel Unterhaltung gibt. Aber direkt reden miteinander, das tun wir nicht. Es gehört sich nicht bei uns in Dortmund. Schon gar nicht über Politik.

Wir machen auch keine Pläne, wir lassen uns planen. Lassen uns verplanen. Vergaukeln und verschaukeln. Am Bauch kitzeln und an den Nerven kitzeln, am Busen kitzeln. Ja auch mal da dran kitzeln. Und gerne dran kitzeln lassen.

Bis wir lachen.

Wir lachen gerne, denn wir haben eigentlich nichts zu lachen. Aber wir lachen so gerne. Über Witze, dumme Sprüche und natürlich Comedy. Comedy überall, zum Totlachen. Wahnsinnig komisch. Da gibt es Spezialisten, die das richtig gut können. Jeden Abend in einer anderen Stadt. Die verdienen sich dumm und dusselig.

"Dumm und dusselig?"
"Ja dumm und dusselig verdienen die sich."
"Waren die vorher nicht dumm und dusselig?"
"Mit Sicherheit nicht, die waren früher wach und helle und sehr intelligent. Sind sie vielleicht jetzt noch, die stellen sich nur so an."

Vielleicht haben wir uns alle in der vorigen Generation dumm und dusselig verdient in Deutschland. Nicht nur die Entertainer, die uns zum Lachen bringen. Hier war es ja so einfach Geld zu verdienen. Am einfachsten von allen Ländern Europas. Das waren goldene Zeiten. Die wollen Mann und Frau jetzt immer haben, festhalten und wiederbringen. Doch die Zeit ist unbarmherzig, sie läuft immer weiter.  Den Deutschen läuft die Zeit davon.

"Halt! Stopp!"
"Was?"
"Anhalten!"
"Wer soll halten?"
"Die Zeit."
"Nein, du Idiot! Die Zeit kann nicht anhalten."

Aufwachen, aufspringen, hinterher rennen,  aufs Trittbrett springen, wieder einsteigen und andere mitreißen, drauf springen, an den Griff packen, vorwärts taumeln auf Brettern und Planken. Am Geländer festhalten, unbequeme Stellungen ausprobieren, ins Ungewisse. An schrägen Stangen entlang durch einen engen Durchgang zwängen und weiter... 


Aber wir müssen vorwärts. Plötzliche Einbrüche sind an der Tagesordnung, unvorhersehbare Hindernisse, Stolpersteine, Fußangeln, Fallen, eigene Fehler, Fehlentscheidungen, vergebliches Gewürge von unkontrollierbaren Kollegen und falschen Freundinnen. Verraten und verkauft.

"Reiß dich zusammen, Alter!"
"Okay, lass mich vorbei!"

Jetzt weiter rennen, geradeaus und in die Zukunft. Da wird es schon wieder unübersichtlich. Hellwach prallen wir gegen eine Glaswand. Es tut verdammt weh, aber es blutet nicht. Die Zukunft lockt, sie ist ganz, ganz nah vor uns.

"Die Zukunft? Ist sie schon da?"
"Ja, die Zukunft ist da."
"Wo ist sie?"
"Sie ist wie ein Loch."
"Ein Tor!"
"Ja!"
"Ein Tor! Tor! Tor! Tor! Tor! Tor! Tor! Tor!"

 
 

Friday, June 18, 2010

Liebesgeschichten im Internet #4/4

#4 
Ich komme!

Bea3909 habe ich schon als Sterngucker angebaggert mit Liebesgeflüster, das war verkehrt. Mal sehn, wie sie auf TeufelimBett reagiert?

"Hi Bea,
was hältst du vom Wetter?
Ganz schön erkältet, wa?
Soll ich unter deine Decke kommen und dich warm halten?"

Die schnelle Bea antwortet sofort.
"Bin nicht erkältet, aber sonst okay."

Ja, das ist es. Angebot ist okay. Wie war das noch? Ich bin bei ihr unter der Decke und halte sie warm, was dann? Lass die Tasten tanzen, du alter Teufel!

"Bea ich fühle es, du bist nicht erkältet, du bist erregt."

Sie lässt mich zehn Minuten warten, da hat sie also mindestens drei andere Lover an der Strippe. Aber sie geht genau drauf ein.

"Oh, was machst du da?"

Bea, du bist goldrichtig! Doch halt, Katrin nicht vergessen, ehe sie sich ausloggt, muss ich ihr ein Gedicht schreiben:

"Hallo Katrin, ich bin kein Teufel,
weil ich vor Liebe fast verzweifel
komm fahr mit mir doch in die Eifel
Tripolabella du bist nett
dein Teufel im Bett."

Ist das okay so? Es reimt sich jedenfalls und es macht an. Wenn sie ne alte Jungfer ist, hat es sowieso keinen Zweck. Also ab damit! Und jetzt:

"Bea,
was ich da mache,
solltest du auch bei mir machen. 
Du weißt schon wie und wo und wie oft: 3909 mal..."

Bea3909 antwortet:
"Und dann?"

Blöde Frage, und dann? Wie soll ich das wissen? Und dann? Und wann? Wenn ja, mit wem? Mann, da kommt die Mail von Tripolabella rein. Gottseidank!

"Hallo Fritz Teufel,
die digitale Welt
hab ich mir sehr poetisch vorgestellt
du bist mein Lover und Protagonist
ich frage dich drum, wo du jetzt bist?

Ich heiß Katrin
und bin in Wien."

Scheiße!
Eine fiktive Postleitzahl in Deutschland, nur drei Kilometer sollten es sein, aber es sind 1300 Kilometer bis Wien. Eine österreichische Schreibmaus,
nominiert für den Bachmannpreis, nobelpreisverdächtig, eine Emanze!  Du glückliches Österreich, schreib was du willst! Mit mir kannste nich spielen.

"Hallo Katrin
du bist in Wien
da will ich hin!

Gib nur ne Postanweisung auf
damit ich mir ein Ticket kauf;
denn so ist der Liebe Lauf.

Ich will dich sehn und dich verstehn,
ich will dich in den Armen drehn
und bald schon werd ich bei dir sein.
Ja, ich bin arm und sehr allein.
Schick mir ein Geld und ich bin dein."

"Hallo Fritz Teufel
die Sache mit dem Geld
hab ich in Wien mir anders vorgestellt:

Ich kauf ein Ticket hier für mich
und komm zu dir,
PS ich liebe dich."

"Oh Katrin, komm aus der Ferne,
Tripolabella, ich hab dich gerne!
Ich will dein Schmollen, Augenrollen
und deine großen Christbaumbollen,
da, wo mein Weihnachstbaum schon steht.
Du mein Gedicht und mein Gebet,
mein Alphabet,
von A bis Zet.
Ich liebe dich,
der TeufelimBett."

Das ist die Macht der digitalen Kommunikation. Es gibt kein Entrinnen. TeufelimBett ist verliebt in Tripolabella und Tripolabella liebt TeufelimBett.

So steht es geschrieben im Internet.

-Ende-

Thursday, June 17, 2010

Marionetten der Finanzwelt (Kommentar)


Es gibt Leute, die behaupten, dass die Regierungen in den meisten Ländern Marionetten des Kapitals sind. Solche Ideen erscheinen plausibel, wenn man sich Figuren wie den ehemaligen US-Präsidenten George W. Bush anschaut. Doch auch er war keine Marionette des Kapitals, sondern, er war einer von ihnen, der es, ähnlich wie Berlusconi in Italien, geschafft hatte, Präsident der USA zu werden. Er hat seinen Eigensinn und seine familiäre Herkunft voll ausgelebt und sein Land ist dafür in den Krieg gezogen...

Warum entsteht aber der Eindruck, dass Regierungen wie Marionetten sind? Sie sind abhängig vom Kapital und zwar wegen der enormen Verschuldung. Die Verschuldung der Staaten ist so immens, dass niemand sagen kann, wie das Geld zurückgezahlt werden soll; in Deutschland sind es 1.7 Billionen Euro. Das sind 1.7 Millionen Millionen Euro. Das kann sich keiner vorstellen, auch kein Minister oder Bankdirektor.

Wie konnte diese enorme Summe an Schulden zustande kommen?

Der Grund sind zwei Systemfehler, den alle demokratischen Länder oder Länder der Freien Westlichen Welt haben.

1. Keine persönliche Verantwortung

Die Regierenden tragen keine Verantwortung für die Schulden, die sie anhäufen. Das widerspricht dem Prinzip von Schulden. Schulden müssen von denjenigen zurückgezahlt werden, die sie machen. Die Regierungen und Verwaltungen bis hinunter zu den Gemeinden zahlen aber nicht die Schulden zurück, die sie gemacht haben, sondern sie werden nach dem Gesetz der Demokratie durch andere Personen ersetzt, welche sich schuldenfrei vorkommen wenn sie erscheinen, was sie ja auch sind und deshalb glauben sie, neue Schulden machen zu können. (Deshalb sollte eine demokratische Verfassung die Aufnahme von Schulden durch auf Zeit gewählte Vertreter nicht erlauben!)

Auf diese Art summieren sich die Schulden in der Demokratie immer weiter auf, von Schuldenabbau wird immer nur geredet, meistens in einer Zukunft, welche die jeweilige Regierung nicht mehr betrifft. So wird es nie praktiziert. Die Abhängigkeit von der Finanzwelt wird immer größer.

2. Die Finanzwelt ist außer Kontrolle. 

Auf der anderen Seite stehen die Besitzer des gleichen Kapitals, um das der Staat verschuldet ist.

Es muss im Falle Bundesrepublik Deutschland ein Betrag von 1.7 Billionen Euro in den Händen von Kapitalgebern sein; Geld das sie zu viel hatten und daher ausgeliehen haben. Zur Veranschaulichung: Es gäbe also 1.7 Millionen Multimillionäre, die jeder eine  ganze Million zu viel hatten und sie an den deutschen Staat ausgeliehen haben. 

Wer sind diese Leute?

Schon diese Frage ist sehr schwer zu beantworten, mit Sicherheit wissen es die Regierenden nicht; denn die  Finanzwelt ist raffiniert aufgestellt. Die zweite Frage wäre aber  entscheidender:

Wieso haben sie so viel Geld? 

Wo haben sie es her? Haben sie es korrekt versteuert? Und selbst, wenn alles korrekt  ist, sollte man und frau sich fragen: Wie können wir durch vernünftige Steuern erreichen, dass die Finanzbesitzer wie alle anderen einen angemessenen Beitrag zur Finanzierung des Staates leisten, nicht indem sie das Geld ausleihen, sondern durch Abgaben, zu denen der Staat sie verpflichtet?

Mit anderen Worten: Wie kommt eine Gerechtigkeit bei der Finanzierung der Staatsausgaben zustande? So dass diejenigen, die sehr viel haben, auch einen sehr hohen Beitrag leisten? Solange dies nicht geleistet wird, weil die Regierenden es nicht schaffen, die Finanzbesitzer in die Pflicht zu nehmen, gehen sie sich das Geld bei ihnen "ausleihen".

Die Staaten sind nicht in der Lage, die Gesetze der Finanzen zu kontrollieren, nein, sie lassen sich die Gesetze von der Finanzwelt diktieren. So entsteht der Eindruck, dass sie Marionetten der Finanzwelt sind. Aber in jedem Augenblick könnten sie etwas dagegen unternehmen, weil jeder Staat das Recht hat, seine eigenen Gesetze und die Gesetze der dortigen Geschäftswelt zu bestimmen.

Wenn das Steuersystem nicht greift, muss es geändert werden.

Hier helfen Quellensteuern und Umsatzsteuern (nicht Mehrwertsteuer) und endlich auch Abgaben auf finanzielle Transaktionen. Und wenn das dann immer noch nichts hilft Enteignungen. Der Staat hat das Recht, zu enteignen. Am besten gleich die Besitzer von griechischen Staatsschuldenpapieren. Das wäre besser, als die Schulden über ganz Europa zu verschmieren und auf die braven Steuerzahler zu verteilen.

Im statistischen Mittel haben die Besitzer von Finanzpapieren irgendwo und irgendwann zu wenig Steuern gezahlt, sonst wären die Staaten ja nicht so arm und verschuldet. Denn die Reichen profitieren von den Ausgaben des Staates genau so wie die Armen, ihnen steht die gleiche Infrastruktur und die gleiche Sicherheit zur Verfügung.

Die Sicherheit nehmen Geldbesitzer aber viel stärker in Anspruch als die Lohn- Gehalts- und Sozialempfänger, weil sie ja ihr riesiges Vermögen sichern müssen, zum Beispiel in Banktresoren. Die Sicherheit der Banken und Tresore geht nicht von Versicherungen und privaten Sicherheitsdiensten aus, sondern vom Staat, genauer von Polizei und Justiz, welche Bankräuber und Einbrecher mit Festnahme und Bestrafung bedrohen. 

Ein altes Sprichwort sagt: Die kleinen hängt man, die großen lässt man laufen. Das muss nicht so bleiben in den Zeiten der grenzelosen Kommunikation und Datenverarbeitung.

Wednesday, June 16, 2010

Liebesgeschichten im Internet #3

#3
Tripolabella

Das hört sich gut an, dachte ich. Drei Kilometer, das ist beziehungsverdächtig, wenigstens eine Affäre kein One Night Stand ONS. Und realtitätsnah. Hautnah, geografisch nah, mit GoogleMaps leicht zu finden, mit dem Fahrrad erreichbar an langweiligen Sonntagabenden bei Dynamolicht und mit Flaschenbierkraft in den Beinen.

Tripolabella, ein Name, der die Fantasie anregt. Tripolis, Trampolin, Traumpolis, Belladona und Fliegenpilz, erotische Phantasie mit Fahrradgetrampel, viele Jahre jung,
Figur normal!
Haare halblang.
Beruf vorhanden.
Fotogalerie klick.

Zwei Fotos im Wintermantel an einem Strand vor dem grauen Meer, viel Strand, viel Stoff, viel Wind in den Haaren und kaum Gesicht. Bilder, welche die Phantasie anregen. Diese Körperhaltung! Diese Einsamkeit, die Weite des Meeres, der gelbliche Sand der Südsee oder der Kanalküste, Frankreich, Belgien, Holland, England, Deutsche Nordsee, ein Traum, der überall durch den Äther weht, der dich berührt in einer kalten Winternacht und dich warm hält, auch wenn es regnet.

Warum träumen wir immer von der Karibik und den Seychellen? Die Realität ist doch viel näher, nur drei Kilometer weit vom eigenen Standort und sie sendet dir Körperwellen mit ihrem deftigen Mantel und ihrer leichten Neigung gegen den Westwind. Das ist Körpersprache.

"Hallo Einsame,
dein Bild hat mich berührt.
Worauf wartest du an deiner windigen Küste?
Träumst du davon, dass ich dich küsste?
Tripolabella, du schöne Fremde komm zu mir,
ich bin der TeufelimBett

Das Profil TeufelimBett ist mein stärkstes. Kein Erkennungsbild, aber ein Foto in der Galerie, wo ich glatt wie ein Star drauf aussehe. Gewinnendes Lächeln, ein Mann, der aus der Bank kommt und mit dem Autoschlüssel klimpert, aber intelligenter Text.
Hochschulbildung.
Vater von Kindern.
Selbstbewusstt und charmant,
energiegeladen und einfühlsam mit erotischen Untertönen,
frauengerecht zelebriert.

Trotzdem antwortet Tripolabella erst am nächsten Tag. Diese Hure!

"Hallo Fritz Teufel, wenn es dich noch gibt,
ich war als Kind schon so in dich verliebt!
Ich bin nicht einsam, nein das bin ich nicht.
Willst du mich lieben, schreib mir ein Gedicht.
Komm, setz dich hin
ich heiß Katrin."

Verdammte Scheiße, eine Transuse, eine heulende Sirene, dachte ich. Nicht sofort antworten, das ist jetzt das Wichtigste. Langsam einweichen und gar kochen. Das mit den Versen ist auch gar nicht so einfach, aber ich werde es ihr zeigen. Sie ist Online, sie blinkt, sie wartet, sie ist leicht entflammbar, gefühlsbereit. Lass mich erst noch ein bisschen mit Bea flirten, damit ich in die Stimmung komme, die Tripolabella braucht, nein nicht Tripolabella, Katrin, Katrin heißt sie, Katrin.

Tuesday, June 15, 2010

Koalition am Ende (Eine kurze Analyse )


Wer oder was ist hier eigentlich am Ende?


Am Ende ist nicht die CDU, auch nicht eine Kanzlerin. Am Ende ist der Neoliberalismus. Was gibt es auf dieser Welt noch zu liberalisieren? Wer braucht noch mehr persönliche Freiheit? Jeder der will, hat ein Handy, kann mit jedem anderen jederzeit telefonieren, auch billig. Unkontrolliert. Im Internet ist alles erlaubt und alles zu haben, alles zu sehen, alles zu behaupten. Mehr gibt es an persönlicher Freiheit nicht, wenigstens nicht für alle.

Eine Zeit lang wollten uns Wirtschaftsliberale weismachen, dass die Wirtschaft noch mehr Freiheit braucht. Globale Freiheit. Dies ist auch längst durchgesetzt. Das Ergebnis ist bekannt. Die freie Wirtschaft hat ihre Produktionsstätten ins „unfreie“ China verlagert. In den „freien“ Ländern sind die Arbeitsplätze verloren gegangen, es wird nur noch verwaltet.

Die Wirtschaft hat uns erzählt, dass mehr Freiheit entsteht, wenn alles privatisiert wird. Bahn, Telefon, Post, Energiewirtschaft, Sicherheit, alles, was früher der Staat in der Hand hatte. Was ist das Ergebnis? Einige Länder haben alles verkauft, was sie hatten. Neuseeland zum Beispiel. Ein gläubiges Land, das den Parolen aus England und USA gefolgt ist. Dort gehört jetzt alles den Amerikanern. Telefon, Bahn, Post. Nichts ist dadurch besser geworden. Und hier? Sind DHL und McPaper wirklich besser, als es die Deutsche Post war? Brauchen wir noch die orangenen Nichtsverdiner von TNT?

Deutschland war fünfzig Jahre das Land in Europa, wo man am besten Geld verdienen konnte. Darum sind wir hier. Und nicht nur wir. Aber es ist aus und vorbei. Hier verdient man oder frau nur noch gutes und leichtes Geld, wenn man oder frau Privilegien hat: einen Job im Staatsdienst, in der Energiewirtschaft, als Arzt oder Rechtsanwalt... (Mehr über die Gewinner in dem Beitrag: Sparen und genießen.)

Es gibt eine Partei, die sich dieser Entwicklung verschrieben hat und die Gewinner der neoliberalen Entwicklung vertritt. Das ist die liberale Partei, die sich wie alle Liberalen zum Neoliberalismus gemausert hat und damit viel Aufwind bekam. In Deutschland heißt sie FDP.

Die FDP vertritt die, welche mehr Freiheit haben wollen, nicht diejenigen, die mehr Freiheit brauchen. Mehr Freiheit wollten die Wirschaftsliberalen. Sie haben sie bekommen. Doch der Wirtschaftsliberalismus hat dabei die jetzige Krise verursacht. Wer behauptet, dass es keine Krise gibt, oder dass es nicht so schlimm ist, gehört wahrscheinlich zu den Gewinnern. Die Gewinner wollen nämlich, dass es so bleibt. Der Staat hat sich völlig auf ihre Seite geschlagen, warum? Kann der Staat zu den Gewinnern gehören, wenn die Hälfte des Volkes der Verlierer ist?

Können wir die Beendigung der Krise von denen erwarten, die sie verursacht haben? Und von den wenigen, die Gewinner sind? Nein, dumme Fragen. Soviel Dummheit besitzen wir nicht, Herr Westerwelle!

Alles, was von der Regierung getan werden muss, geht gegen die Interessen der Liberalen und gegen das Programm Ihrer Partei, der FDP:

Die Umverteilung der Einkommen muss sofort beendet werden.

Spitzenverdiener müssen zur Kasse, wenn sie nicht in andere Länder ausweichen. Doch auch dagegen sind Kräuter gewachsen, nämlich Quellensteuern. Steuern werden sofort da erhoben, wo der Gewinn entsteht, an der Quelle. Dagegen ist die FDP. Hier in Deutschland entsteht sehr viel Gewinn; das kann jeder sehen.


Die Arbeisplätze kann keiner schnell zurückholen, aber das Geld! Geld war noch nie so beweglich! Wir brauchen das Geld derjenigen, die gut verdienen, nicht das derjenigen, die kaum ihre Miete bezahlen können und schon am Tropf des Staates hängen. Dagegen ist die FDP. Also darf diese Partei nicht regieren, auch nicht halb oder viertel, sie darf nicht einmal als Bremser mitfahren.

Hoffentlich merkt die Merkel, was hier gespielt wird. Hoffentlich beendet sie ihr Projekt schwarz-gelb. Jede andere Kombination ist besser, rot, dunkelrot, grün... Selbst wieder die Große Koalition. Da können CDU und SPD gemeinsam die Fehler beseitigen, die sie einzeln und abwechselnd, jeweils gegen den Willen des anderen, verschuldet haben:

Falsche Steuerpolitik

Falsche Gesundheitspolitik

Falsche Finanzierung der Wiedervereinigung


Aufblähung der Verwaltung und des Öffentlichen Dienstes

Europäischer Bürokratismus in Brüssel

Schließlich müssen die neoliberalen Sünden wieder gut gemacht werden; das ist ein weltweites Problem. Es gibt genug zu tun, aber nichts geht weiter in die Richtung; in die wir schon zu weit gegangen sind.



Monday, June 14, 2010

Liebesgeschichten im Internet #2

#2
süssholzraspel

Die raffinierte Frau, bei der es sich lohnt, geistreich zu sein, ist besser verschlüsselt. Sie hat kein Erkennungsbild, aber eine Fotogalerie. Du klickst erst auf das Profil. Da steht ein Begrüßungstext. Es hat keinen Zweck, das zu lesen, weil da immer nur drin steht, wieso sie nicht mit jedem gleich ins Bett gehen. Raffinierte Frauen haben keinen Begrüßungstext und wenn ja, ist es reine Literatur. Ihre Fotos sind in Ordnern versteckt und mit Passwort gesichert.

Süssholzraspel ist so ein Fall.

Sie säuselt internationales Flair mit Werbesprüchen aus der Kosmetikindustrie und bietet Links an zu ihren Leiblings-Pop-Gruppen und permanenten Gurus. Du kannst mit ihr gleich um die Welt fliegen und sie wohnt in Düsseldorf, aber jetzt ist sie online. Nur darauf kommt es an. Online heißt kontaktbereit. Ihre Bilder sind mit Passwort verschlüsselt.

Der schreibe ich unter meiner zweiten Identität als geheimer_Lustboy:

"Hallo Schlange,
ich möchte mich bei dir einloggen. Dein Profil ist geil wie die Sünde. Hast du heute Nacht schon was vor so zwischen vier und sechs? Gib mir dein Passwort und ich sage dir, wie ich dich nehme."

Süssholzraspel antwortet erst nach sieben Minuten:

"Okay Lustboy,
mach mir ein Geschenk und ich öffne dir den ersten Ordner."

Das ist gleich die erste Stufe zum Himmel der Seligen. Geheimer_Lustboy schenkt ihr ein Auto mit Fernbedienung und kriegt folgende Antwort:

"4711"

Darauf hätte ich auch kommen können! Sie ist cool, die Süssholzraspel, sie ist super-cool. Welcher Ordner war es, es war wohl der erste. HotHotHot. Passwort 4711. Es riecht gleich wie in einem Kosmetikladen. Blumiger Duft von Rosen. Rasierte Portale, gar keine Gesichter, nur schlanke Leiber von Modellen, rosige Schamlippen, verschiedene Positionen von vorne und von der Seite mit gespreizten Beinen und von hinten.

Sie hat mich rein gelegt! Die Schlange!

"Süssholzraspel, du hast mich hinters Licht geführt! Das bist du doch gar nicht! Das ist nicht dein eigenes Süßholz, sondern das von einem Porno-Modell, kann ich überall umsonst im Netz sehen. Und dafür habe ich dir ein Auto mit Fernbedienung geschenkt! Du hast mich rein gelegt, du niederrheinische Puffmutter!

"Was du nicht sagst, du halbschwuler Giftzwerg, meinst du ich brauchte einen geheimen_Lustboy? Da ist mir ein Dildo viel lieber und meine eigene Muschi kriegt nur meine Frau zu Gesicht! Meine Frau! Verstehst du? Wir werden dich ignorieren, geheimer_Lustboy, wenn du nicht von selber die Klappe hältst, das war doch ein fairer Deal, Geschenk gegen Passwort und sag bloß, der Ordner HotHotHot wäre streng katholisch!"

Geheimer_Lustboy ist ein devoter Spanner und hat bei der Sache nicht schlecht abgeschnitten, aber ich werde das Profil trotzdem einschlafen lassen, bringt keine wirkliche Befriedigung. Ich wollte mich doch im Netz verlieben!

Eigentlich war es nicht meine Idee, sich zu verlieben, sondern die Idee von Tripolabella, eine Frau ohne Macken, Entfernung nur drei Kilometer von meiner Postleitzahl.

Sunday, June 13, 2010

Liebesgeschichten im Internet #1

#1
Bea3909

Gestern war ich verliebt und konnte nicht genau sagen in wen. War es die widerborstige Irene oder die störrische Marlene? War es die sanfte Carmen oder die schöne Biene? Oder war es ein Phantasiegebilde, das zwei, drei Freundinnen in Berlin ausgedacht hatten und gemeinsam in die Bekanntschaftsmaschine stellten?

War es Bea3909, 172, 68 kg, lange braune Haare, gebildet, einsam?


Durch tausende Gesichter hatte ich geblättert, die mir wie Herbstlaub entgegen flatterten. Nicht nur Beziehungsmüll, sondern auch schöne Frauen mit leuchtenden Augen und hoher Farbintensität. Die Gesichter durch Störungsfilter geglättet, das ist einfacher als Kosmetik, sie waren unternehmungslustig und flirtbereit. Aber viele sind patzig, andere verhärtet und verhärmt, die meisten enttäuscht. Sehr enttäuscht, ihr Herz ist gebrochen, ihre Sehnsucht ist wie eine kleine Flamme am Gasherd, die nur noch gelegentlich aufflackert.

Nicht so Bea3909. Bea ist lebendig und quirlt mit schnellen Sprüchen die Sahne der Männlichkeit. Ihre Männer zeigen Emotionen, machen Geschenke und Komplimente und enthusiastische Kommentare zu den Bildern:
Ausgezeichnet,
einsame Klasse,
sehr sexy,
was für eine Frau!

Aber Bea3909 bleibt cool, sie sortiert und eliminiert, antwortet nur auf intelligente Zeilen von Insidern:


"Hallo Bea,
dein Bild erinnert mich an einen chaotischen Traum letzte Nacht. Ich war allein auf einer einsamen Insel und sah im Osten die rote Sonne aufgehen, sie hatte genau dein Gesicht, das bald so groß war wie der ganze Himmel. Du schwebtest über mir und senktest dich mir langsam entgegen, bis deine Lippen die meinen berührten. Du hast mich wach geküsst, Bea." Bea formulierte nur zwei Worte:

"Ach ehrlich?" antwortete sie und es war eine Wonne, ihre Buchstaben zu pflücken, die wie Sterntaler vom Himmel in die Mütze eines Bettlers fielen. Und der entflammte Sterngucker hämmerte weiter seine heißen Sprüche.

"Bea,
du machst mich an,
du machst mich heiß.
Ich weiß nicht, wie,
aber du bewegst mein Innerstes,
mein intimes Verlangen,
erregst meine Phantasie und projizierst
wilde Filmszenen in mein leeres Gehirn. 

Ich heiße Bodo und lebe am Chiemsee,
meine Tür steht dir offen."

Und Bea schrieb zurück:
"Mach zu, Bodo, es zieht!"

"Oh, ich verstehe, Bea, du bist in Gedanken schon bei mir, wir werden glücklich sein die ganze Nacht, bis der Morgen graut und die Sonne von Salzburg her in mein Fenster scheint, wo du mit mir aus Liebe und Traum erwachst. Dein Gesicht leuchtet mir wie die Morgensonne."

"Das sagtest du bereits.
Du langweilst mich, Alter,
das Gesicht auf meinem Profil gehört meiner Freundin,
verpiss dich!"

Sterngucker setzt Bea3909 auf die Feindesliste und surft weiter in den unendlichen Fluten der digitalisierten Libido.

Na ja, Sterngucker ist nur die geringste meiner Identitäten. Er ist leicht frustriert und linkisch, weiß halt nicht mit Weibern umzugehen. Dazu ist er durch ein Studium der Psychologie hoffnungslos verbildet und nicht mehr beziehungfähig. Das ist mein Mann für aussichtslose Fälle. Ein erotischer Versager, bestenfalls ein Testpilot. Für mich ist Bodo vom Chiemsee das Bauernopfer, das ich Frauen wie Bea3909 darbringe, die zu gut aussehen, deren Fotos zu raffiniert sind, die sich so platt als flirtwillige Single-Frau präsentieren.

Friday, June 11, 2010

"Freiheit eines Krebsgeschwürs" Deutschland, ein Sommerloch (Essay in 3 Teilen/3)


3. Teil
Freiheit eines Krebsgeschwürs

Leute gehen, überwiegend montags, zum Arzt
und erzählen ihm, was sie wollen: 


Dass sie krank geschrieben werden wollen, dass sie krank sind oder dass sie sich unwohl fühlen, dass sie schlecht schlafen, keinen Sex haben, alkoholsüchtig seien oder farbenblind.

Der Arzt tut auch, was er will, er behandelt, verschreibt, schreibt krank, überweist ins Krankenhaus oder zu anderen Ärzten... oder er tut gar nichts und bestellt die Patienten wieder zur Beobachtung im nächsten Quartal. 


Nur eins tut er bestimmt, er macht sich Notizen, Notizen, nach denen die Kosten der Behandlung berechnet werden. Dafür gibt es Organisationen, welche die Kosten anhand der Notizen so hoch wie möglich einfordern. Aber sie fordern nichts von den Patienten, der Patient erfährt nicht, was der Arzt über ihn aufzeichnet und was die Ärzte-Organisation für die Behandlung berechnet. Der Zusammenhang zwischen Behandlung und Berechnung wird auch nicht ernsthaft nachgeprüft oder kontrolliert.

Gelegentlich greift der Gesetzgeber hier ein und verkompliziert die Sache dergestalt, dass die Ärzte nicht mehr wissen, wieviel sie am Ende erhalten werden. Das stachelt sie zu weiteren quantitativen Leistungen an. Der Patient kümmert sich überhaupt nicht um die Finanzierung, sondern das tut die Krankenkasse, sie bezahlt in der Regel die Forderungen der Ärzteorganisationen und die der Pharmalieferanten, Apotheken und Reformhäuser, auch Therapeuten, Rehabilitationszentren, Massagen, Bäder, Kuren, Prothesen, Bestrahlungen usw. usw.

Hier könnte man glauben, die Pflicht-Krankenkassen wären schnell am Ende ihrer Zahlungsfähigkeit, aber nein, sie halten sich an... nein, nicht an die Patienten, also an diejenigen, die Leistungen empfangen, sondern an den Staat. Der Staat zahlt aber auch nicht, sondern er sagt nur per Gesetz, von wem wie viel gezahlt werden muss... auch wieder nicht von den Leistungsempfängern, auch nicht von allen, nein nur von den Lohn- und Gehaltsempfängern, da aber auch wieder nicht von allen, sondern nur von den Empfängern kleiner und mittlerer Einkommen, nicht von denen mit hohem Einkommen


Alles Klar?

Niemand erfährt, was ein Arztbesuch kostet, aber jeder, der arbeitet erfährt wie viel von seinem Lohn für die Sozialabgaben abgeführt wird, nämlich ungefähr 40% mit immer noch steigender Tendenz. Das Ganze funktioniert genau so wie ein wucherndes Krebsgeschwür, es ist völlig außer Kontrolle und trotzdem glaubt die Mehrheit, davon zu profitieren. Das ist Illusion. Die Profiteure sind nur die Dienstleister, Lieferanten und Organisatoren: Gesundheitsindustrie, Krankenkassen und Ärzteorganisationen.

Die Betrogenen sind an erster Stelle die Empfänger kleiner und mittlerer Löhne und Gehälter, an zweiter Stelle die echten Kranken an dritter Stelle auch medizinisches Personal wie Krankenschwestern. Ein Grenzfall sind Krankenhausärzte, es ist schwer zu sagen ob sie zu den Opfern oder den Nutznießern gehören, denn das ist unterschiedlich. Die Chefs, sie nennen sich Professoren, verdienen riesig mit ihren Oparationen.

Unter denen, die das Gesundheitssystem in Anspruch nehmen, leiden vor allen Dingen diejenigen, die wirklich krank sind; denn sie werden nicht geheilt. Das System ist nicht auf Heilung ausgerichtet, sondern auf Diagnose, Behandlung und Gewinn.

Wie es keine Kontrolle über die Entstehung der Kosten gibt, gibt es auch keine Kontrolle über das Ergebnis der Behandlung. Ärzte die heilen, verdienen weniger als Ärzte, die nur diagnostizieren und dann weiter behandeln... im nächsten Quartal. Das System produziert nicht nur Leerlauf und Fehldiagnosen, es produziert neben neuen Medikamenten und Apparaten auch neue Krankheiten.

Warum die gewählten Politiker ihre Aufgabe darin sehen, die von den Kassen geforderten Milliarden, die das Gesundheitssystem verschlingt, bei den Empfängern kleiner und mittlerer Einkommen einzutreiben, ohne das System zu verändern, ist ein Rätsel; es lässt an der geistigen Normalität dieser Damen und Herren zweifeln. Ebenso rätselhaft ist in der heutigen Zeit die Funktionsweise der Pflicht-Krankenkassen, der Ärzteorganisationen und die Notwendigkeit ihrer Luxusbauten. All das, was sie tun und leisten, ließe sich mit entsprechender Software durch ein paar Computer in einem trockenen, gut gelüfteten Keller ersetzen...

Fragt mich bitte nicht, wo das enden wird!

Vor ein paar Jahren hätte ich gesagt, es endet in einer großen Koalition, wo CDU und SPD gemeinsam  die gröbsten Fehler beseitigen, die sie einzeln angerichtet haben. Die große Koalition war da und was hat sie getan? Sie hat die Mehrwertsteuer um 3% erhöht. Das hätte jeder Kaufmannsgehilfte auch gekonnt. Dafür brauchen wir keine Kanzlerin, die vorher Diplomphysikerin war. Dafür brauchen wir auch keine Bundestagswahlen.


Also wo wird es enden?  


Es wird enden wie in der sogenannten dritten Welt in einer speziellen Art von Kleptokratie, wo sich nicht ein Marcos, Mobutu oder Moi bereichert, sondern eine Staats-Kaste als Inhaber der Infrastruktur und der Gesetzgebung.

Die Zahl der Profiteure lässt sich dann schließlich noch etwas reduzieren zugunsten des harten Kerns der Staatsdiener, weil die Freiberufler, die jetzt dank ihrer FDP noch mit kassieren, also Ärzte, Anwälte und Steuerberater, weil die, wenn es ganz hart kommt, noch aus dem sinkenden Boot geworfen werden können. Sie haben viel zu wenige Abgeordnete in den Parlamenten. In den Parlamenten sitzen zu 60% die "Staatsdiener".

Wahrscheinlich werden die arbeitslosen Massen dann in Slums leben. Wer sich einen Reisepass leisten kann, wird abhauen; denn die Slums in warmen Ländern der EG sind angenehmer als die Slums im Norden (Liverpool, Glasgow, Gelsenkirchen). Neapel ist zum Beispiel sehr malerisch "oh mia bella Napoli" oder demnächst Istanbul. (Jörg Fauser war schon dort.) Wenn die Türkei der EG beigetreten ist, gilt auch dahin die Freizügigkeit.

"Krankheit mit System" Deutschland, ein Sommerloch (Essay in 3 Teilen/2)


2. Teil

Krankheit mit System

Natürlich ist das Gesundheitswesen die absurdeste Krankheit unseres Staates, doch ich will erst noch auf ein jetzt aktuelles Phänomen hinweisen: Niemand redet davon, dass die Staatsverschuldung ein Geld-Geschenk an die Finanzindustrie ist und zwar ein Geschenk von ungeheurem Ausmaß. Der Staat schenkt den Banken nicht nur die Zinsen für seine Anleihen, sondern auch die in dem Deal enthaltene Sicherheit. Denn der Staat ist sicherer als die Banken und Versicherungen. Er gibt damit den Banken ein festes Einkommen ohne Risiko und fast ohne Eigenleistung und sorgt außerdem für ihren guten Ruf durch seriöse Finanzpapiere, die sehr schön mit unseriösen Papieren gemischt werden können, so dass immer noch ein seriöser Eindruck bleibt.

Dies ist kein deutsches Phänomen, sondern es gilt für alle Länder mit enormer Staatsverschuldung, also auch für USA, Italien, Belgien, Griechenland usw usw usw. Ob diese Staatsgeschenke die Banken zu ihrem euphorischen Höhenflug verleitet haben, so dass sie völlig losgelöst von den Gesetzen der Ökonomie zu sein glaubten und so die Finanzkrise verursachten, ist nur ein Verdacht, dem einmal nachgegangen werden sollte. Die letzte, ganz aktuelle Perversität besteht darin, dass sich der Staat noch mehr verschuldet, um die Profiteure seiner Verschuldung, die Banken, vor dem selbst verschuldeten Untergang zu retten
, durch ganz enorme Finanzspritzen. (Wer die Logik dieser Aktion versteht, sollte sich bitte melden.)

Eine andere Gruppe von Nutznießern der schlechten Innenpolitik sind die Steuerexperten und Juristen, also Rechtsanwälte und Steuerberater; sie profitieren von den unerledigten Gesetzesaufgaben der Parlamente Bundestag und Bundesrat genau so gut wie ihre Klienten, die Steuerbetrüger, allerdings völlig legal.

Wenn jemand so etwas äußert, was die schlanke Wahrheit ist, wird er gerne als Neider beschimpft. Doch auch Neid hat seine guten Seiten: Der Ingenieur, der den Rechtsanwalt beneidet, weil der mit viel weniger Einsatz mehr Geld verdient, in seinem Cabriolet spazieren fährt und vom Dschungel der Gesetzte lebt, der Herr Ingenieur wird vielleicht seinem Sohn abraten, ebenfalls Ingenieur zu werden, weil man dort mühsam in Anerkennung der Naturgesetze Neues schaffen muss. So sterben deutsche Ingenieure aus und Anwälte kommen hinzu. Das ist bedarfsgerecht, denn Ingenieure brauchen wir bald nicht mehr, wenn es keine innovative Industrie in Deutschland mehr gibt.

Wer will einem begabten Jungen Mann oder einer begabten jungen Frau klar machen, dass das Studium der Chemie sich lohnt, wenn später ein simpler Hausdoktor das doppelte verdient, und warum sollte einer in die Geheimnisse der Physik eindringen, wenn er als Strahlenarzt das fünffache verdienen kann und außerdem noch Selbständiger ist und sein eigener Herr. Im Vergleich zu Spitzen-Medizinern lohnt es sich nicht einmal Bundeskanzlerin zu werden, für eine Physikerin ist es jedoch ein Karrieresprung.

Das bundesdeutsche Gesundheitswesen ist ein Fall, über den man Bücher schreiben könnte, ich will hier nur kurz die wichtigsten Phänomene anreißen, es ist allerdings für logisch denkende Menschen schwer verständlich.

Wie in jedem denkbaren Gesundzeitssystem werden Dienstleistungen erbracht, welche die Gesundheit der Patienten, die sie beanspruchen, verbessern sollen. Das ist aber auch schon das einzig Normale, alles andere ist kompliziert, verschroben und kontraproduktiv. Wenn einer in einem utopischen Roman berichten würde, dass auf einem fernen Planeten in einem hirnrissigen Kleinstaat so ein System zur Gesundung der kranken Menschen existierte, würde niemand das für realistisch halten. Aber der Planet heißt Erde und das hirnrissige Land heißt Bundesrepublik Deutschland.

Das System ist nicht wirtschaftlich, sondern angeblich ist es sozial. Es ist aber nicht gerecht, sondern elitär. Es ist nicht rational, und auch nicht rationell, sondern verschwenderisch. Es ist nicht effektiv und es ist nicht gesund. Es funktioniert folgendermaßen:

(Weiter mit Teil 3
Freiheit eines Krebsgeschwürs)

Thursday, June 10, 2010

"Der Abschwung" Deutschland, ein Sommerloch (Essay in 3 Teilen/1)

1. Teil
Der Abschwung

Die Bundesrepublik Deutschland und die DDR waren hervorgegangen aus einem verlorenen Krieg, das war ihr Glück. Denn wenn eine Schlacht oder ein Krieg verloren ist, werden die Verlierer entmachtet, häufig sogar bestraft und hingerichtet. Auf diese Art sind wir unseren Hitler los geworden. Den Sieg über die Nazi-Regierung haben wir den Russen (sie waren zuerst in Berlin), den Amerikanern (sie sind in der Normandie gelandet), den Engländern (sie waren die zähesten Gegner) und den anderen Alliierten zu verdanken... Die Probleme mit der deutschen Obrigkeit wurden 1945 von außen gelöst.

Wenn es aber wie jetzt in einem friedlichen Land mit der Regierung Jahre lang nur abwärts geht und eine Fehlentscheidung sich an die andere gereiht hat, wenn klar wird, dass die Fortsetzung des Systems langsam aber sicher ins wirtschaftliche Chaos führt und in den Untergang der Gesellschaftsordnung, was dann?

Dann wird so getan, als wäre nichts passiert, weil es schließlich Schlimmeres gibt. (Siehe oben!)

Ich rede hier selbstverständlich von Deutschland, von der immer noch so genannten Bundesrepublik, die es eigentlich nach der Wiedervereinigung nicht mehr geben dürfte. Denn die Bundesrepublik galt als Provisorium. Wir haben keine Verfassung, sondern ein provisorisches Grundgesetz, es ist nur gültig bis zum Stichtag der Wiedervereinigung. Das steht in der Präambel. Eine Republik also mit aufgedrucktem Verfallsdatum, das bereits überschritten ist.

Der Fall ist schon eingetreten, was kaum einer erwartet hatte. Es war der Fall der Mauer. Wir sind wiedervereinigt, aber nicht rechtmäßig, denn das Provisorium West hat einfach das Provisorium Ost geschluckt und das Resultat ist ein Staatsgebilde ohne gültige Verfassung, welches so auf lange Sicht nicht lebensfähig ist; denn es funktionierte nur im Aufschwung.

Der Aufschwung kann nicht herbeigebetet werden und es wäre auch unnatürlich; es gibt keine Sache, die immer nur besser wird. Alle Analysen kommen zum gleichen Ergebnis; es kann über lange Zeit nur weiter abwärts gehen, denn folgende Krankheiten des Staatsgebildes sind anscheinend unheilbar:

1) Staatsverschuldung
2) Unfinanzierbarer Sozialstaat
3) Einseitige Belastung der produktiven Arbeit mit Sozialsteuern
4) Schlechte Regierbarkeit durch Länderverfassung
5) Unersättliches Gesundheitswesen
6) Nicht finanzierbare Renten

Etwa die Hälfte der Fehler wurde durch die provisorische Konstruktion der BRD von deren Gründern und durch die ersten Regierungen so vorgegeben, die andere Hälfte ist durch falsche Politik der letzten Jahre entstanden. Kein Politiker darf diese Fehler antasten, nicht einmal benennen oder er ist ein politischer Außenseiter. In allen Diskussionen werden weder die Schuldigen noch die Nutznießer benannt.

Die Hauptschuldigen an der Staatsverschuldung sind Helmut Schmidt und Helmut Kohl. Und während ich das schreibe, leben beide noch und sonnen sich in ihrem Ruhm. Der eine als großer Macher, der andere als Wiedervereiniger. Aber Schmidt war der erste große Schuldenmacher und damit der Trendsetter des finanziellen Ruins. Kohl kam an die Macht, weil er zu Recht die Schuldenmacherei angeprangert hat, aber von Anfang an hat er genau so hohe Schulden gemacht wie sein Vorgänger. Die Schulden der Regierung Kohl stiegen ins Unermessliche, weil er die Wiedervereinigung in den Sand gesetzt hat, völlig ohne Konzept, und der Verfassungsauftrag, eine neue Republik zu schaffen, wurde nicht erfüllt...

Schmidt und Kohl waren die Hauptschuldenmacher, aber niemand denkt daran, ihnen etwas vorzuwerfen. Der 90. Geburtstag von Helmut Schmidt wurde mit viel Lorbeeren gefeiert. Sollte Kohl einmal so alt werden, wird man auch ihm zu Lebzeiten verbale Denkmäler setzen.

Das ist das alte Obrigkeitsdenken, das Deutschland immer wieder ins Unglück gebracht hat. Dieses Obrigkeitsdenken lässt jede Untätigkeit der Regierenden zu und auch den Marsch in den Untergang. Einmal mit, einmal ohne Demokratie. Einmal mit, einmal ohne Krieg. Wir sind dem Führer gefolgt bis in den Selbstmord. Jetzt geht es nur um unser Geld, aber Geld ist in der Welt von heute offiziell das Wichtigste.

Es wird in all den Lamentos der Journalisten auch verschwiegen, wer die Profiteure der Fehlentwicklung sind. Denn es wurde ja eine immense Leistung des Volkes erbracht, man sagt meistens der Wirtschaft, aber es ist nicht die Wirtschaft, sondern das Volk, das diese Leistungen vollbracht hat, es wurde Leistung erbracht und fehlgeleitet. Wohin? In das lebenslängliche Wohlergehen der Profiteure des Systems.

Wer sind die Profiteure? Man sollte sie einmal benennen, auch wenn es so viele sind.


1. Die Politiker selbst
2. Die Beamtenschaft und der öffentliche Dienst
3. Die Gesundheitsindustrie
4. Die Banken
5. Das Rechts- und Steuerwesen
6. Die Empfänger von falsch dimensionierten Sozialleistungen

Meistens werden nur letztere genannt und es wird verschwiegen, dass sie keine Schuld tragen, außer der, dass sie die Politiker wählten, die ihnen am meisten versprochen haben.

Die Politiker haben sich immer zuerst selbst gesegnet. Das geschieht dadurch, dass die Parlamente ihre eigenen Einkommen beschließen (ein Verfassingsfehler), sie genehmigen sich auch saftige Pensionen nach kurzer Zeit und das bis hinab über die Landräte zu den kommunalen Gremien. Sie haben nicht nur ein sehr gutes Auskommen, sie sind auch bis in alle Zukunft abgesichert. Eine Krise wird von den Berufspolitikern deshalb nicht einmal wahrgenommen. Es gibt keine Krise für die politische Kaste, sie redet nur davon.

Etwas ähnliches gilt für die Staatsdiener. In den Zeiten der boomenden Wirtschaft wurden die Einkommen der Beamten und Angestellten des öffentlichen Dienstes angepasst an die Wirtschaft. Das heißt, die Höhe der Gehälter wurde angepasst, nicht das gesamte Verhältnis von Leistungsabgabe und Leistungsempfang; denn da sieht die Sache schon ganz anders aus. Ein Inspektor kennt nicht den Stress eines Fließbandarbeiters in der Industrie. Und der Inspektor ist längst schon Oberinspektor. Und kurz vor der Pension wird er, wenn es nur eben geht, noch einmal befördert, dafür sorgen die Politiker, denn die Beamten sind ihre Handlanger.

Der öffentliche Dienst und die Beamtenschaft kennt die Wirtschaftskrise nur aus den Nachrichten. Doch wären sie bei einer Firma Schmidt&Kohl AG beschäftigt gewesen, dann wäre die Firma durch falsche Kreditaufnahme und ökonomische Fehlentscheidungen schon längst bankrott und von einer anderen Firma feindlich übernommen worden. Die Staatsangestellten wären mitten drin in der Krise, genau wie die Manager, Ingenieure, Arbeiter und auch externe Dienstleister dieser Firma Schmidt&Kohl, die Firma gäbe es dann ja nicht mehr, weil sie ihre Verbindlichkeiten nicht bezahlen kann.

So sähe es aus, wenn Wirtschaft und Staat gleichgestellt wären. Hier aber sind Millionen von Staatsdienern keine Diener sondern Profiteure des Staates, obwohl sich dieser Staat gar keine Diener mehr leisten kann, wenigstens nicht zu den bestehenden Tarifen und Konditionen. Das, was heute die Staatsschuld ist, wanderte viele Jahre lang als unangemessenes Einkommen oder überhöhte Pension direkt in ihre Taschen und zwar krisenfest. Staatlich abgesichert. Sie alle sind von der Krise ausgenommen.

Hier soll nicht verschwiegen werden, dass Politiker, insbesondere Parlamentarier und Staatsdiener (Angestellte, Beamte) personell zu 60% die gleichen sind. Die "Staatsdiener" sitzen in den Parlamenten. Die Parlamente werden dominiert von ihnen. Sie haben sich erst als Beamte, Lehrer, Angestellte im öffentlichen Dienst abgesichert und dann - völlig ohne Risiko - politische Karriere gemacht und kassieren am Ende doppelte Gelder ohne Lohnkürzungen in dem durch sie und ihre direkten Führer verschuldeten Niedergang. Die Karriereleiter dieser doppelten Profiteure sind die Volksparteien CDU und SPD.

Daher ist auch die finanzielle Sanierung des Staates im Rahmen unserer parlamentarischen Demokratie unmöglich. Die Parlamente gehören zu den Nutznießern und überwiegend (zu 60%) sogar zu den doppelten Nutznießern der falschen Haushaltsführung. Schmidt und Kohl waren für sie Christkind und Weihnachtsmann.

Die Unreformierbarkeit ist durch diese Tatsache garantiert.

Für alle bisher genannten Profiteure ist der Niedergang der Republik keine Realität, sondern nur ein Medienereignis, das sie dementsprechend in den Medien handhaben, bereden, bedauern, diskutieren, ins Auge fassen, mit guten Programmen verzieren... und dann wieder vergessen.






Thursday, June 3, 2010

Amok! Amok! (Problemlösungen)

Was können wir gegen Amokläufer tun?

Es gibt kein Mittel, zu verhindern, dass Menschen durchknallen. Meistens sind es Männer, noch häufiger spätpubertäre Jungmänner, die nichts mit ihrer Männlichkeit anfangen können. Die ihre phallische Energie sinnlos verbraten und dabei ihr eigenes Leben und das Leben anderer geringer einschätzen als einen selbst manipulierten Samenerguss.

Dagegen ist fast nichts zu machen, nichts Flächendeckendes. Gute Sexualerziehung wäre ein Weg. Natürliche Entwicklung der Männlichkeit wäre das beste, ist aber in den modernen Massenkulturen nicht mehr zu realisieren. In Afrika gibt es (bisher) keine Amokläufer, auch nicht bei den Indios in Südamerika. Hier könnten wir von den "Primitiven" wieder etwas lernen, doch wer will das? Wer kann das?

In den Stressgesellschaften, die vor der sexuellen Befriedigung ein riesiges Karriere-Proggramm aufbauen, wird irgendwann und irgendwo immer einer durchknallen, neuerdings zum Beispiel auch in China. 


Die Unterhaltungs-Industrie zeigt in Text, Bild und Ton immer und überall der unorientierten Männlichkeit einen Weg in die Welt der Killer und Revolver-Helden. Dazu kommen seit Jahren interaktive Computerspiele mit Tötungsziel.

Kann Mann etwas dagegen tun?

Eine Maßnahme ist ganz einfach: Die Jungs dürfen keine Waffen besitzen. Der Erwerb von Schusswaffen darf nicht in privater Hand liegen, niemand darf das Recht haben Waffen zu kaufen, zu pflegen und bei sich zu Hause aufzubewaren. Polizei und andere Sicherheitskräfte sollen so organisiert
werden, dass die Waffen nicht in Privatbesitz gelangen. Dagegen wird kein Pplizist etwas einzuwenden haben. Es ist vielleicht ein wenig lästig, aber leicht zu organisieren. (Beim Militär klappt das ja auch.)

Es gibt noch einen sehr wichtigen Punkt: Die besonders verheerenden Amokläufer sind welche, die nicht nur Waffen besitzen, sondern auch gut damit schießen können.

Jetzt hat ein Taxifahrer namens Derrick zwölf Menschen in drei Stunden erschossen. Wenn er nicht wenigstens zwei Pistolen besessen hätte und ein geübter Schütze gewesen wäre, hätte er das nicht geschafft. Wie und wo er geübt hat, ist noch unbekannt. Wahrscheinlich hat er seinen Beruf als Taxifahrer zum Vorwand genommen, Waffen zu erwerben und damit zu üben. Das ist in England etwas schwieriger als in den meisten anderen Ländern. In GB ist die Waffenkontrolle intensiver und konsequenter als in Deutschland, aber sie reicht offensichtlich auch da nicht aus.

Hier bei uns sieht es wesentlich gefährlicher aus. Unter gewissen Bedingungen ist es verdammt leicht, an Waffen zu kommen; insbesondere für Schützenvereine, sogenannte Sportschützen und deren pubertierende Söhne.

Der krasse Fall von Erfurt 2002: Der von allen Beziehungen isolierte Robert Steinhäuser erschoss in 10 Minuten 16 Menschen, die meisten waren weiblichen Geschlechts. Sein Vater war/ist ein Waffennarr, der psychisch gestörte Sohn war Mitglied im Schützenverein und Sportschütze und konnte, wenn er wollte, an die Waffensammlung des Vaters heran. Im Verein übte er das Schießen mit schweren Pistolen.

Es standen ihm aus sportlichen und traditionellen Gründen Waffen zur Verfügung, die nur zum Töten von Menschen entwickelt und benutzt werden. Der Vater wurde nicht oder nicht ernsthaft bestraft! Er ist sowohl für die Erziehung seines Sohnes verantwolrtlich als für seine eigene Waffensammlung als auch dafür, dass der Sohn sich daraus Waffen beschaffen konnte.

Das ist der riesige Skankal unserer Gesetzgebung und Justiz.
Alle Verantwortlichen konnten ihre Verantwortung auf andere ebenfalls Verantwortliche abwälzen.

Es darf nirgendwo in einem Privathaus Sammlungen von scharfen Waffen geben. Auch nicht in verschlossenen Schränken. Wenn das in USA erlaubt ist, sollte es hier verboten sein. Irgendwo muss die kulturelle Reife sich zeigen. Keine Waffen in privater Hand, auch nicht bei Mitgliedern von deutschen Schüzenvereinen. Nicht bei Taxifahrern, Security-Angestellten, Polizisten, Kriminalbeamten, Soldaten und alten Kämpfern. Jeder private Besitz einer Pistole sollte illegal sein. Auch in der Schweiz.

Dann können die Medien ihre Zuschauer noch so sehr mit Schießereien, Killern und tötenden Supermännern wie Arnold Schwarzenegger aufhetzen. Wer keinen Revolver hat, kann nicht schießen.

Tuesday, June 1, 2010

Rückzug aus Afghanistan (Kommentar)


Der Bundespräsident hat seinen Rücktritt erklärt, weil er auf dem Rückflug aus Afghanistan in einem Rundfunkinterview... Rhabarber, Rhabarber, Rhabarber, und so weiter... dieser Text ist allen bekannt.

Wie aber konnte der Nicht-Politiker Horst Köhler Bundespräsident von Deutschland werden? Es liegt an der undemokratischen Verfahrensweise, mit der Angela Merkel, diesen der Öffentlichkeit völlig unbekannten Mann in das höchste Amt gehievt hat. Mit demokratischem Mitteln wäre das nicht möglich gewesen.

Es liegt auch an einer falschen Vorstellung von Politik. Für Angela Merkel und viele andere Politiker - es ist wohl die Mehrheit - für fast alle ist das einzige Ziel ihrer Politik, Wahlen zu gewinnen, egal wie, egal wann, am liebsten aber sofort und egal wozu.

In diesem Sinne können sich die Hauptakteure der schwarz-gelben Regierung Frau Merkel und Herr Westerwelle die Hand reichen und dabei auch kräftig schütteln. Beim FDP-Vorsitzenden ist es offensichtlicher als bei der Kanzlerin, worum es ihm geht. Die Politik ist Nebensache, sie ist das arithmetische Mittel aus statistischen Erhebungen, Meinungsumfragen und bewährten Programmen, die in der Vergangenheit Wähler angelockt haben. Wenn die Macht erreicht ist, erst dann wird das Vakuum erkennbar, das in den Köpfen herrschte, Köpfe, die einzig für Wahlplakate frisiert sind und deren Inhalt darauf zugeschnitten ist.

Der unpolitische Präsident hat Dinge gesagt, die ein Politiker nie sagen würde, auch wenn er genau der gleichen Meinung ist. Man denke an Joschka Fischer, wie er seine Einstellung zu Afghanistan und zum Kosovo mit internationalem Geschwafel verbrämen konnte, so dass selbst raffinierte Journalisten und Parteifreunde ihm nichts anhaben konnten.

Horst Köhler ist nicht so gestrickt. Er äußert seine Gedanken und offenbart eine kleinbürgerliche Auffassung von Interessenpolitik, die vielleicht viele andere Politiker und US-Präsidenten teilen, die sie aber nie so offen und schlicht erkennbar formulieren würden.

Banale Ansichten zu haben, landläufige Meinungen der breiten Masse zu vertreten, das ist eine gute Voraussetzung, um als Politiker in der Mediendemokratie erfolgreich zu sein. Es ist aber ebenso erforderlich, diese banalen Meinungen mit hoher Intelligenz, mit Raffinesse und taktischem Kalkül nur anzudeuten, vorsichtig durchblicken zu lassen, manchmal auch zu vertreten, ohne sich aber wirklich festzulegen.

Die Kanzlerin ist dafür ein gutes Beispiel; sie hat sich dazu erzogen, zu moderieren und es treiben zu lassen, wie der Wind weht, unabhängig von ihrem eigenen Intellekt, sofern sie solchen besitzt. Dabei steht in der Verfassung, dass der Bundeskanzler oder die Kanzlerin die Richtlinien der Politik bestimmt. Das tut sie nicht.

Ihr Präsident hat laut darüber nachgedacht, was der Einsatz deutscher Truppen in Afghanistan auf lange Sicht bedeuten soll. Das war ein Doppelfehler. Es war taktisch falsch und es entspricht nicht der machtlosen, unpolitischen Stellung, welche der Bundespräsident in Deutschland hat.

Aber drittens hatte Herr Köhler als deutscher Bundespräsident in Afghanistan überhaupt nichts zu suchen! Auch deutsche Soldaten haben dort nichts zu suchen. Niemand hat dort etwas verloren, außer den Afghanen selbst.

Afghanistan ist vielleicht das kriegerischste Land der Erde und die Afghanen sind aufbrausend und impulsiv, über-männlich und fanatisch, ein wildes Volk, vom Islam durchdrungen. Sie sind genau so, wie sich Amerikaner, Karl-May-Leser und vielleicht auch manche Politiker einen idealen Feind vorstellen. Aber sie sind nicht unsere Feinde! Auch nicht die Taliban. Sie sind nicht Feinde der USA oder Pakistans, des Iran oder Russlands.

Die Russen haben das schließlich erkannt, sie kamen auf Ruf afghanischer Kommunisten, sahen, dass sie dort nichts zu suchen hatten und sind wieder abgezogen. Die USA haben in das vermeintliche Macht-Vakuum nachgestzt. Sie haben wirtschaftliche Interessen, zur Sicherung des Nachschubs an Erdöl, genau, wie Köhler es beschrieben hat. Aber sie haben ihre ökonomische Aggression gut versteckt hinter einer anti-islamistischen Rhetorik. Amerika will seinen unverantwortlich hohen Energiebedarf noch hundert Jahre in die Zukunft retten. Das ist illegal. Der Planet Erde wird es nicht über sich ergehen lassen.

Der Rücktritt Köhlers ist kein Verlust. Im Gegenteil. Es ist ein kleiner Schritt in die richtige Richtung. Auch wenn er das selber nicht so sieht. Er war nur eine Figur im Spiel und wurde nach einem falschen Zug von selber rausgeschmissen. Das ist aber, unabhängig von allem Gerede und Geschwätz, der Fall einer Symbolfigur, die für die Präsenz deutscher Truppen in Afghanistan eingetreten ist. Der Ausfall dieser Figur geht also in die richtige Richtung: Gegen die veralterte Machtpolitik der "großen Industrienationen" in der Dritten Welt. Der Rücktritt ist indirekt ein Schritt raus aus Afghanistan.

Das ist begrüßenswert. Es ist auch eine begrüßenswerte Niederlage der unpolitischen und inaktiven Bundeskanzlerin... Warum sollte sie nicht die gleiche Richtung einschlagen wie ihr Präsident? Auch sie hat ein Privatleben bei doppelt hoher Rente in einer ruhigen Gegend Mecklenburg-Vorpommerns zu erwarten.