Wednesday, June 6, 2012

Desinformationskrise

Wenn es um die Desinformation der denkenden Bevölkerung geht, stecken Banker, Politiker und Journalisten unter einer Decke. Sie alle reden von der Krise des Euro und wir glauben, der braun-gelb-grüne Euro, den wir in der Tasche oder auf unserem Bankkonto haben, sei in Gefahr. (Am besten schnell ausgeben, das macht Konjunktur.)

Es werden auch verschiedene Wege aus der Krise vorgeschlagen, die auf das Gleiche hinauslaufen: Den Kreditgebern mehr Sicherheit und den Politikern das Schulden Machen erleichtern. Man und frau sucht nach Wegen, die Staatsschulden in Europa von jedem Limit zu befreien. Dass wir, die Bevölkerung, ob Steuerzahler oder nicht, irgendwie alles ausbaden müssen, wird stillschweigend vorausgesetzt.

Was wirklich tief in der Krise steckt, ist die staatliche Schuldenpolitik und die Geldanlage in sicheren Staatspapieren.

Die Regierungen der europäischen Staaten außer vielleicht Slowakei und Luxemburg, plus USA und Japan, haben zu Gunsten der Banken und der Geldanleger (der Märkte) Staatsschulden in Höhe von Billionen angehäuft. Die Politiker haben sich dadurch das Regieren leicht gemacht, indem sie die fundamentalen Gesetze von Soll und Haben einfach ignorierten.

Dass dies auf die Dauer nicht gut geht, weiß jeder.

Und was hat der Euro damit zu tun? Eigentlich gar nichts. Es besteht nur ein psychologischer Zusammenhang.

Nach der Einführung des Euro, beispielsweise in Griechenland, entstand "auf den Märkten" der Eindruck, als wären Euro-Schulden weniger gefährlich als Drachmen-Schulden. Deshalb wurde noch einmal kräftig in griechische Staatsanleihen investiert, weil auf den Schuldscheinen das Wort Euro steht. Euro klingt wie Europa und nicht wie griechische Misswirtschaft.

Sicherheit oder Unsicherheit hat nichts damit zu tun, in welcher Währung Schulden beziffert sind, es kommt nur darauf an, ob die Schulden fristgerecht zurückgezahlt werden. Das erwartet jetzt aber niemand mehr; das griechische Volk hat offen und per Votum erklärt, dass es das nicht will.

Wie unlogisch die offiziellen Desinformationen sind, die vom Schuldenproblem ablenken, ist am Fall Spanien zu erkennen. Spanien will seine Banken sanieren, die sich durch riskante Kreditpolitik vergeigt haben. (Gleichzeitig hat die Banco Santander nach Deutschland expandiert.)

Warum ein Staat seine Banken retten will und nicht seine Weinbauern, Bäcker oder die Lohnarbeiter, ist eine andere Frage. Die spanische Regierung operiert mit großen Zahlen und will ihre Banken retten, sie brauchen dazu ein paar hundert Milliarden Euro.

Dieses Geld muss der Staat sich leihen. Wo? Bei Banken in anderen Ländern (auf den Märkten) oder bei Über-Organisationen. Mit dem Euro hat das auch wieder nichts zu tun, außer, dass sie das Geld gerne in Euro und zu billigen Zinsen hätten. Am einfachsten käme es jetzt aus dem europäischen Rettungsschirm, der Staatsschulden vereuropäisiert. Für diesen Rettungsschirm garantiert aber unter anderen der spanische Staat!!! Ein zwielichtiges Konstrukt, mit dem man Finanz-Jongleure wie den philosophierenden Spekulanten Soro nicht hinters Licht führen kann.

Desinformation ist ebenso, dass Deutschland im Schuldental eine Sonderstellung haben soll. Deutschland ist nicht weniger verschuldet als die anderen Länder mit Ausnahme der Extrem-Schuldenmacher Griechenland, Italien, Belgien... Deutschland hat sich auf drei Ebenen verschuldet: Bund, Länder und Kommunen. Das sieht besser aus. (Die Spanier haben uns das nachgemacht.)

Der Spiegel nennt Frau Merkel jetzt die "eiserne Sparkanzlerin", aber sie hat bis heute nicht einen eisernen Cent gespart, geschweige denn Papiergeld. Nein, Frau Merkel hat fleißig weitere Schulden gemacht, so wie ihr Lehrmeister Helmut Kohl, der wiederum den großen Schulden-Initiator Helmut Schmidt übertraf, an Quantität und an Impertinenz.

Schulden, die auf Zeit gewählte Politiker machen, sind im tiefsten Sinne undemokratisch. Sie vergewaltigen das Volk und strangulieren die nächste Generation.

Die griechischen Wähler haben Recht. Sie akzeptieren nicht, was die Politiker der vorigen Generation ihnen aufgebürdet haben. Richtig so, das ist der erste notwendige Schritt zur schuldenfreien Politik.

Würden Politiker und Parlamente, egal wo und wer, die Interessen der Völker und nicht der Geldbesitzer vertreten, wäre dieser Weg des Schuldenschnitts offen, er entspräche den Gepflogenheiten der Geschäftswelt. Und im nächsten Schritt käme ein Gesetz, das Schulden im Namen des Volkes in demokratischen Ländern verbietet. Nicht für Bundeswehreinsätze (Krieg) nicht für Konjunkturspritzen (Subventionen) und nicht für Diäten, Gehälter und Pensionen (in die eigene Tasche).

Auch der Staat kann nur soviel Geld ausgeben, wie er einnimmt. Alles andere führt am Ende zur materiellen Not, zur Inflation oder zum Krieg. Wer diese Tatsache verschweigt oder verschleiert und wer es Euro-Krise nennt, betreibt Desinformation. Fast alle Journalisten machen mit, nur die Blogger bloggen in ihren ewigen Jagdgründen und Reservaten an der Wahrheit herum.

Tuesday, May 29, 2012

Ich stellte nur fest,
dass in der Politik
das Wiederholen dessen,
was alle Menschen denken,
offenbar kein Zeichen
von Mittelmäßigkeit,
sondern von
Überlegenheit ist.

Marcel Proust:
Auf der Suche nach der verlorenen Zeit
"Im Schatten  junger Mädchenblüte"
Übersetzung: Eva Rechel-Mertens

Friday, April 13, 2012

Franco und die Piraten #1 (Essay)

In der Musik-Szene hat sich das, was die Piraten fordern, längst etabliert. Die Folgen lassen erkennen, was passiert, wenn Tauschbörsen zehn Jahre lang funktionieren. Musik als Kunst, die etwas Neues zum Ausdruck bringt, ist tot.

Das Urheberrecht ist eine kulturelle Errungenschaft, die es möglich macht, dass professionelle Künstler Kunstwerke herstellen, die auch reproduzierbar oder einfach zu kopieren wären. Gäbe es kein Urheberrecht, würden Bücher, Schallplatten, Filme, Fotografien nicht professionell erscheinen, es gäbe nur Kopien und Imitate ohne akzeptablen Wert.

Dieser Zusammenhang gilt seit der Steinzeit. Die erste Kunst, die sich so verbreitet hat, ist Keramik. Damals war alles einfach; Hersteller und Künstler waren die Gleichen und wer den Krug mit Ornamenten haben wollte, musste irgendwie bezahlen.

Später erschienen Bücher und mit dem Buchdruck wurden Bücher in Mengen  reproduzierbar. Und erst nach Einführung des Buchdrucks gab es Romane und Romanschriftsteller, die davon lebten, zu schreiben, weil ein Verlag oder eine Druckerei ihnen garantierte, dass sie vom Verkauf der Bücher etwas abbekommen.

Es gab damals noch kein staatlich garantiertes Urheberrecht, aber es wurde so praktiziert! Davon hatten alle einen Vorteil: Die Autoren konnten leben und schreiben, die Verleger wurden möglicherweise reich und nicht zuletzt bekamen die Leser den Stoff, der ihnen gefiel.

Von diesem Punkt an bestand ein Problem, das nicht endgültig zu lösen ist. Es zahlt der, der das Buch kauft, nicht der, der es liest, obwohl letztendlich der Leser der Nutznießer ist. Das wird problematisch, wenn Büchereien Bücher hundert mal ausleihen und dafür Geld kassieren. Hier gibt es Regelungen mit denen hoffentlich alle zufrieden sind.

Seit etwa hundert Jahren gibt es Tonträger: Walzen, 78er, 45er und 33er Schallplatten und CDs. In dieser Zeit, also erst, seit Tonträger existieren, hatte die populäre Musik einen ungeahnten Aufschwung, insbesondere in der Phase der 45er und 33er Schallplatte. Diese Blüte der Musikkultur hätte es ohne Urheberrecht nicht gegeben.

Sollte jemand das bezweifeln, dann schaue er mal nach Afrika, wo es fast nur Raubkopien auf Musik-Kassetten gibt. Die populäre afrikanische Musik ist künstlerisch unserer anglo-amerikanischen gleichwertig, wenn nicht, sogar überlegen, aber trotzdem ist sie nicht zu einer solchen Blüte gekommen. Das liegt an der geringeren Ton-Qualität der Aufnahmen. Warum? Weil in Afrika
das Urheberrecht ignoriert wird.

Ein Beispiel: Das Orchestre OK Jazz von Franco Luambo. Das kennt hier natürlich fast keiner, doch es stellte alles in den Schatten, was je in Europa oder Amerika als Pop-Gruppe oder Big-Band eine Bühne betreten hat. Dreißig Musiker, darunter zehn Virtuosen, drei Sänger und ein Bandleader wie Franco. Er könnte als der beste Elektro-Gitarrist aller Zeiten gelten, hätte man seine Soli präzise aufgenommen.

Wir haben nur Frank Zappa und seine Mothers of Invention. Er war zwar als Komponist sehr kreativ, aber ein bescheidener Solist und über die emotionale Qualität seiner Musik lässt sich streiten. Franco Luambo dagegen ließ auch der Kreativität seiner besten Mitspieler freien Lauf, wie es sonst nur im Jazz üblich ist, und die Musik war emotional mitreißend. Frauen lieben sie. Es ist kongolesischer Rumba, genannt Soukous, und genau das, was das Volk in Zaire und später in ganz Afrika hören wollte.

Nur leider, leider sind die Tondokumente dürftig, schon deshalb, weil es in Kinshasa kein Studio und kein Equipment und daher auch nicht die Toningenieure gab, das alles gebührend aufzunehmen, auf 24-Kanal Multitrack. Das Einrichten von Tonstudios war vor 50 Jahren überall auf der Welt sündhaft teuer. Ohne die Erlöse von Tonträgern unmöglich zu finanzieren.  Wenn alle nur immer weiter kopieren wie in Afrika die Kassetten-Piraten, dann gibt es viele Zuhörer, aber keine perfekten Aufnahmen.

Das Verhältnis derjenigen, die Tonträger kaufen und bezahlen, zu denen, die einfach nur zuhören, kann sich im Laufe der technischen Entwicklung sehr verschieben. Hinzu kommt der Rundfunk. Es ist logisch, dass deshalb knifflige Urheberrechte berücksichtigt werden müssen und Gebühren fällig sind für das öffentliche Abspielen von Musik; insbesondere im Funk, der Millionen Menschen erreicht.

Mit der Erfindung der Tonbandgeräte kam eine neue Phase: Es wurde erlaubt, Musik für private Zwecke zu kopieren, auch an Freunde weiterzugeben, aber es war nie erlaubt, was in Afrika geschieht, Kassetten gewerblich zu vertreiben mit  Musik, an denen derjenige, der sie kopiert, keine Urheberrechte hat.

Das alles ist logisch und dient der Kunst, dient aber auch den legalen Nutzern, den Zuhörern, weil sie qualitativ hochstehende Aufnahmen bekommen und das immer wieder neu! Es zeigt sich aber, dass mit neuen technischen Entwicklungen, neue Urheberrechtsprobleme auftauchen, insbesondere, wenn das Kopieren von Werken einfacher, perfekter und quantitativ mehr wird.

Das digitale Zeitalter brachte uns als Datenträger die CD, später die DVD, die sich digital kopieren lassen, fast ohne Qualitätsverlust. Die Musikbranche war längst zur Industrie geworden und setzte die neue CD gierig ein, in erster Linie zum Geld Verdienen, zur Profit-Maximierung, nicht mehr zur Innovation der Musik.

CDs sollten jetzt doppelt soviel kosten wie LPs. Dieser Preis war eigentlich nicht gerechtfertigt, wurde aber durchgesetzt und wurde in allen reichen Ländern, insbesondere USA, Japan, Deutschland und UK akzeptiert. Die Einnahmen der Musikindustrie stiegen enorm, weil das gesamte Repertoire der LP-Zeit noch einmal erscheinen konnte und... gekauft wurde.

In dieser Situation ist verständlich, dass sich niemand mehr groß Gedanken machte, wie es mit den Kopier-Möglichkeiten der CD aussieht. Einmal digitalisiert, ließ sich Musik wieder auf CD brennen und weiterreichen. Das ist alles noch legal und tolerierbar.

Dann kamen Internet und MP3-Format. Ein Song ließ sich als E-Mail verschicken, okay. Wie bisher war die Weitergabe an Freunde und Bekannte erlaubt, es war legal und es schien noch immer unschädlich zu sein für die Seite der Produzenten und Künstler.

Jeder weiß, wie es weitergeht. Speicherkapazitäten ohne Ende, Datenautobahnen und das alles wird im Internet für jeden, auch Studenten, Schüler und Geringverdiener zugänglich.

Ein pfiffiger Programmierer erfand dann die Tauschbörse Auf einmal war alles, was das Herz begehrt, zum Download verfügbar und zwar nicht von professionellen Anbietern, sonder es wurde organisiert von Fans, die Musikfans und Computerfreaks in einem waren. Das waren so ähnliche Typen wie früher die Freunde, denen man eine LP geliehen hatte zum Überspielen auf MC.


2. Teil sofort anschließend!

Franco und die Piraten #2 (Essay)

Der Unterschied zwischen Tauschbörse und Freundschafts-Deal mit einer CD ist nicht von qualitativer, sondern quantitativer Art: Es sind auf einmal Millionen Freunde und es sind fast alle verfügbaren Platten, mehr Auswahl als im größten CD-Laden!

Hier entsteht das, was ein weiser Philosoph vor 150 Jahren den Übergang der Quantität in die Qualität genannt hat. Irgendwann gilt das Gesetz der großen Zahl. Während bisher die Reproduzierbarkeit der Musik einen Fortschritt für Künstler, Produzenten und Publikum bedeutet hatte, ist es auf einmal anders; es fließt kein Geld mehr und auch ohne moralische Diskussion lässt sich nach zehn oder fünfzehn Jahren ein Niedergang der Popmusik beobachten:

Alle hören Musik, aber es lohnt sich nicht mehr, professionell, Musik nach dem Stand der Kunst zu machen. Auch die Hoffnung, dass sich im Internet auf Basis von Austausch und nicht kommerzieller Produktionsweise eine neue Musik-Kultur entwickeln würde, hat sich nicht erfüllt.

Es gibt zwar immer noch neue Popmusik, mit der gut verdient wird, aber das ist seichte Unterhaltung für den Geschmack der verdummten Masse, für Leute, die nicht mit einem Computer umgehen können oder das nicht wollen, denen das Internet ein Rätsel ist wie das gelbe Reich in China.

Innovation in der Kunst richtet sich immer an ein innovativ eingestelltes Publikum und populäre Musik ist keine Kunst für Millionäre wie Pop-Art, sondern für junges, pfiffiges Publikum. Das sind aber genau die Leute, die auch mit der digitalen Technik spielen und ihren Bedarf an Musik-Konserven im Internet umsonst bedienen.


Daher ist seit Jahren fast jegliche Innovation aus der Musik-Szene verschwunden. Die speziellen Plattenläden haben dicht gemacht. Die Labels sind gestorben, die Musiker machen was anderes. Ein intelligenter junger Mensch, der sich begabt und kreativ vorkommt, wird nicht mehr zur Gitarre greifen oder sich ein Schlagzeug anschaffen, er sitzt wie alle am PC und sucht auf der ganzen Welt herum, was Besseres zu finden.

Musik, die etwas Neues zum Ausdruck bringt, als Kunst, ist tot.

Das Urheberrecht hat toleriert, dass Freunde mithören und später, dass sie auch gelegentlich eine Kopie bekommen oder sich aus geliehenen Schallplatten eine MC zusammenstellen. Wenn aber jeder, der sich mit Computern und dem Internet auskennt, von völlig unbekannten Leuten Musik überspielen kann und sich auf einer Tauschbörse jeden gesuchten Track holt, dann existiert in diesem Bereich kein Urheberrecht mehr. Das ist einfach eine Tatsache, die nicht hinwegzudiskutieren ist.

Denn Urheberrecht bedeutet, dass Urheber und Produzenten der Musik vom Konsumenten einen angemessenen Obulus bekommen für ihre Arbeit und ihr finanzielles Engagement. Dieser Inhalt des Urheberrechtes ist eine kulturelle Errungenschaft, unabhängig von der Formulierung der Gesetze.

Die große Musikindustrie war so satt und zufrieden, dass sie viele Jahre lang Tauschbörsen toleriert hat, in dem Glauben, es sei das, was es vorgab zu sein: Eine Gefälligkeit unter Freunden, die dem großen Geschäft nicht schadet. Doch die Zahl der Freunde geht jetzt in die hundert Millionen; allein in Deutschland sind es so viele, dass sie mit Erfolg eine Partei gründen konnten: Die Piraten.

Der Name Piraten mag ironisch sein, doch sie fordern nach wie vor die Legalisierung der Tauschbörsen und damit einen eigenen Bereich, in dem das Urheberrecht aufgehoben ist. Und zwar  für alle, die des Downloads mächtig sind. Auch das ist ironisch gemeint, denn es wird immer einfacher und selbstverständlicher, daran arbeiten ganze Konzerne und sie verdienen immense Summen.

Ohne die  Weltumspannende Datei der populären Musik wären MP3-Player kein Milliarden-Geschäft! Und der Anteil an bezahlten Tracks auf diesen Geräten wird im Schnitt kaum die 1%-Grenze erreichen, sie ist also praktisch gleich Null. Hier wurde am Repertoire der Pop-Musik noch einmal, zum dritten mal, großes Geld verdient, aber nicht von den Machern, sondern von Elektronik- Konzernen, die kleine, handliche Digital-Speicher vermarkten.

Wenn den Piraten vorgeworfen wird, sie wollten das Urheberrecht abschaffen, bringen sie seitenlange  Argumentationen und Blogbeiträge. Damit lenken sie die Diskussion vom Kern ihrer Forderung ab, nämlich der Legalisierung der Tauschbörsen, wodurch das Urheberrecht praktisch ausgeschaltet wird. Es wird in diesen Rechtfertigungen zum Beispiel behauptet, die Piraterie richte sich gegen die Verwerter von Musik, nicht gegen die Musik-Schaffenden.

Diese Argumentation ist unlogisch, weil die Piraterie auf die Verteilung des Geldes in der Musik-Szene gar keinen Einfluss hat. Wenn ich Gebühren oder Steuern entziehe, beeinflusse ich nicht die Verwendung des Geldes.

Ein zweites Argument ist, dass diejenigen, die am meisten herunterladen, auch die besten Kunden auf legalen Wegen seien. Die Tauschbörsen seien die beste Promotion für Musik und Film. Insbesondere seien die Piraten eine Geschmacks-Avantgarde und würden das breite Publikum mitziehen, das dann auch gerne und viel an der Kasse bezahlt, was die Piraten sich schon umsonst genommen haben.

Hier wird Statistik falsch interpretiert und hingebogen. Selbst wenn sie die besten Kunden sind wie Alkoholiker, die ihr ganzes Geld für Schnaps ausgeben, berechtigt das nicht, danach in ein Kiosk einzubrechen.

Auch der Werbe-Effekt ist nicht eingetreten, sonst wären nicht die CD- und Schallplatten-Läden verschwunden, insbesondere die Spezial-Läden, die sich an eine Geschmacks-Avantgarde richten, welche die Piraten vielleicht wirklich auch sind. Aber das hilft niemandem, wenn sie nicht bezahlen, dann ist es kontraproduktiv.

Denn die progressiven Künstler und Labels sind, wenn sie nicht längst aufgegeben haben, am stärksten betroffen. So hat die Avantgarde der Informatiker mit ihren Tauschbörsen denen am meisten geschadet, die ihnen das liefern könnten, was zu ihnen passt: Innovative Musik.

Wer Musik kopiert und weiter gibt,
schadet den Künstlern, die er liebt.

Tuesday, March 27, 2012

Die Rettungsschirm-Piraten (Gedanken zur Sebstverteidigung)

Im Saarland haben die Piraten 7,2% der Stimmen geholt und aus wohl unterrichteten Quellen verlautet, dass Frau Merkel der Erweiterung des Rettungsschirms auf über eine Billion Euro zustimmen wird. An der Oberfläche erscheinen diese Meldungen wie seismographische Schwingungen und sie scheinen nichts miteinander zu tun zu haben...

Aber wir wollen tiefer hineinschauen, nicht in den Spiegel, sondern in den Kanal der Ratten.

Die Erweiterung des Rettungsschirms ist ein euphemistisches
Medienschlagwort. Es bedeutet einfach, dass die Schuldenpolitik der europäischen Demokratien jetzt noch weiter getrieben wird. Der Schirm, der eine Bürgschaft ist, rettet die Schuldenmacher und ihre Gläubiger, also die Finanzindustrie vor der real drohenden Pleite, jetzt nicht nur Griechenlands, sondern fast aller Euro-Staaten: Portugal, Belgien, Italien, Irland und dann Frankreich und dann Deutschland.

Gerettet werden also die Finanziers (Die Märkte). Bei einer Pleite würden sie sehr viel Geld verlieren, in der Regel 80%
und mehr.

Und warum machen die Politiker das?  

Warum macht Merkel mit?

Weil ihr die Finanzindustrie näher steht als das Volk,
das am Ende die Schuld begleichen muss. (Durch Vermögensabgabe, Steuern, Einkommens-Einbußen, Inflation oder Krieg.)

Regieren auf Pump ist sehr angenehm und einfacher als korrektes Wirtschaften mit dem vorhandenen Geld.
Das Geld dazu beschafft die Finanzindustrie, gegen Zinsen natürlich. Also halten Finanz- und Staatsmacht zusammen gegen die Bevölkerung. Das Instrument dazu heißt Europäischer Rettungsschirm.

Die Schuldenlast trifft die gesamte Bevölkerung Europas, am letzten natürlich die deutsche Bevölkerung,
weil ihre Wirtschaftskraft die größte ist. Aber es trifft sie auch am stärksten, weil ihre Wirtschaftskraft die größte ist.

Und es trifft dich um so mehr, je jünger du bist!
Ab 18 darfst du wählen.

Im Internet hat es sich herumgesprochen: Die machen uns alle kaputt mit ihrem Rettungsschirm. Der rettet die Politiker und drückt uns die Schulden aufs Auge. Immer mehr
und immer mehr. Dabei sanieren sich die Politiker selbst,
wie zuletzt im gescheiterten Parlament von NRW, das noch schnell die Diäten erhöht hat mit den Stimmen der GRÜNEN!

Ab 18 kannst du eine neue Partei gründen:

Das ist der Erfolg der
Piraten-Partei. Die Internet-Kids haben es gecheckt, ehe die offiziellen Medien es wahrhaben wollten.

Schade, dass die Piraten-Partei aus der Piraterie im Internet hervorgegangen ist und auch heute noch die
Legalisierung der Tauschbörsen in ihrem Programm hat.

Lieber wäre mir eine Rebellen-Partei. Ohne eine Ideologie, die zu Lasten anderer geht.

Thursday, March 15, 2012

Ausmanövriert! Parlament NRW am Ende (Eine Erfolgsmeldung)

Endlich mal eine positive Meldung:
Der Landtag in Düsseldorf hat sich aufgelöst.

Im vorletzten Beitrag in diesem Blog wurde gefordert: Nie wieder Landtagswahl ! 

Weil der Landtag NRW sich ohne Scham bereichert und 500 Euro zusätzlich für Pensionen beschlossen hat. Bei der Schuldenlage in NRW nehmen die Abgeordneten den Bürgern die Zukunft weg und stecken sich Geld in die eigene Tasche.

Wir, die Geschädigten können ihnen die Legitimation nur dadurch entziehen, dass wir nicht mehr zur Landtagswahl gehen und die Gelegenheit dazu kam schneller als erwartet: 


Wir haben in wenigen Wochen die Gelegenheit, nicht diejenigen zu wählen, die uns die Zukunft wegnehmen. Egal welche Partei. Jede Wahlstimme (auch ungültige) ist falsch.

Wer nicht wählt, ist selber Entscheidungsträger.

Der Landtag ist überflüssig und sogar parasitär.

Monday, February 13, 2012

Pateien am Ende / Kommentar zum Mitglieder-Schwund


Heute kam die Meldung, dass alle Parteien im Jahr 2011 Mitglieder-Verluste erlitten haben, an erster Stelle die FDP. Nur die Grünen hatten Gewinne, was auf den spektakulären Erfolg in Baden-Würthemberg zurückzuführen ist und nicht unbedingt einen Gegentrend darstellt.

Das Volk ist nicht so dumm, wie es verkauft wird. Es glaubt den Parteien nicht mehr, was auf ihren Fahnen steht. 


Es glaubt der CDU nicht mehr, dass sie christlich ist und der SPD nicht mehr, dass sie sozial ist. Und die FDP kriegt zu spüren, dass die Idee des Liberalismus längst ausverkauft wurde.

Der Neo-Liberalismus hat die Umverteilung
(nicht nur von unten, sondern auch aus der Mitte nach ganz oben) bewirkt und der Politik wird angelastet, dass sie die Umverteilung  nicht verhindert hat. 

Die Christdemokraten hätten es aus Gründen der christlichen Nächstenliebe und die Sozialdemokraten aus Gründen der sozialen Gerechtigkeit verhindern müssen. Den Liberalen ist das nicht vorzuwerfen, sie haben gewonnen, aber sie haben durch den Neo-Liberalismus die Basis  unter den Wählern verloren, denn die Gewinner  sind wesentlich weniger als drei Prozent der Bevölkerung.

F.D.P. = Fast drei Prozent.

Die Liberale Partei ist durch den Neo-Liberalismus überflüssig geworden. Nur der Entertainer Guido Westerwelle, eine Zeit lang noch unterstützt durch Fallschirmspringer Jürgen Möllemann, war in der Lage, mehr Stimmen zu ergattern. Diese Witz-Figuren hatten Unterhaltungswert. Mann kann dem Guido nicht einmal vorwerfen, dass er Außenminister geworden ist, dafür ist Angela Merkel verantwortlich.

Die schwarz-gelbe Koalition. Ein Anachronismus aus der Zeit vor 50 Jahren. Es zeigt wie fragwürdig Koalitionsbildungen sind und die Fraktionsdisziplin und all diese Mechanismen, die nicht in der Verfassung verankert sind. (In Ländern wie Italien oder Belgien ist das alles noch viel schlimmer.)

Der Fehler der Verfassung ist der, dass sie diese Mechanismen nicht verbietet, dass sie zwar die Demokratie verkündet, aber nicht verlangt, dass die Parteien selbst demokratisch sind. Innerhalb der Parteien ist Diktatur und Oligarchie erlaubt. Das gilt ganz besonders für CDU und SPD und in der Grünen Partei hat es sich auch weitgehend durchgesetzt.

Der Fehler liegt im System, es leigt an der Verfassung, die es duldet, dass Parteien mit demokratischen Programmen auftreten, intern aber Diktaturen gleichen. Das beste Beispiel dazu ist die uneingeschränkte Herrschaft von Helmut Kohl über die CDU. Jahrzehnte lang. Und Merkel ist seine gelehrige Schülerin.

Auch wenn die Chancen für eine neue Verfassung, wie es das Grundgesetz für den Fall einer Wiedervereinigung vorschreibt, gering sind, sollten wir die Verfassungsfehler schon einmal festhalten, damit, wenn es einmal dazu kommt, die Fehler behoben werden. 


Dass es nicht so schnell dazu kommt, das garantieren die etablierten Parteien.

Die Position dieser Parteien und ihrer Führung ist zu stark: Unkontrollierte Macht. Sie entscheidetn über Karrieren und Pöstchen. Die Parteien werden mit Steuergeldern alimentiert, das verpflichtet sie aber zu nichts. Sie garantieren nicht die Demokratie, sondern die Kungelei. Und diese Kungelei gipfelt jeweils in den Koalitions-Verhandlugngen hinter verschlossenen Türen, an denen nur wenige Figuren beteiligt sind .

Die nächste neue Partei, die das alles noch nicht mitgemacht hat, die noch keinen Fraktionszwang und keine Koalitions-Disziplin kennt, die sieht dann immer am besten aus. Das waren einmal die Grünen, jetzt sind es die Piraten. Genau das zeigt, dass der Fehler im System liegt und nicht in den Partei-Programmen oder bei den Mitgliedern.

Die Partei-Mitglieder ganz unten sind genau so betrogen wie die Wähler, eigentlich noch mehr, weil sie sich engagieren wollten und dafür Beiträge gezahlt haben.  

Damit ist jetzt Schluss.

Saturday, February 11, 2012

Mehr Schulden, weniger Zukunft. Ein Überblick


Ist euch aufgefallen, dass niemand mehr von der Eurokrise redet? Hier wurde von Anfang an behauptet, dass es sie gar nicht gab und jetzt redet auch niemand mehr davon.

Ein Problem weniger, könnte man meinen, aber das Problem der Staatsschulden in Europa ist damit nicht gelöst.


Was jetzt auf der Tagesordnung steht, ist die Verhinderung der Griechenland-Pleite. Dass sie verhindert wird, war von Anfang an klar. Es liegt im Interesse der Finanzindustrie und irgendwie glauben die Regierungen und deren Eurokraten, dass es auch in ihrem Interesse ist, die Pleite eines Euro-Landes zu vertuschen.

Das ist aber nicht im Interesse der Völker, nicht einmal des griechischen Volkes. Bei einer Pleite wären die Schulden nämlich weg. Die Geldgeber bekämen ihre 20% oder etwas weniger (wie bei jeder anderen Pleite) und die Griechen könnten mit ihrem Staat von vorne anfangen. Ohne Schulden-Politiker.

Für die herrschenden Polit-Kreise in Griechenland  wäre es eine Katastrophe. Doch es wäre für die anderen Länder ein Modell-Fall, an dem sie sehen könnten, wohin die Schuldenmacherei der Regierungen führt. 


Man weiß darüber fast nichts und will es nicht wissen. Bisher bestehen nur Chaos-Theorien, die von Leuten verbreitet werden, die andere Interessen haben, weil sie an den Schulden verdienen. Spekulanten und Politiker sitzen da in einem Boot.

Was bei einer Staatspleite herauskommt, das wollen die Eurokraten nicht sehen. Und sie wollen nicht, dass deutlich wird, wohin es führt, sie wollen so weiter machen wie bisher, weil es ihnen persönlich so gut dabei geht. Notfalls treten sie zurück wie Berlusconi.

Jetzt werden Schulden Griechenlands auf den Euro-Raum verschmiert durch diverse Schulden-Verteilungs-Systeme. Sie werden Rettungsschirme genannt oder Hilfe vom Internationalen Währungs-Fond oder Maßnahmen der EZB.

Klar ist dabei, dass die kommende Generation in Europa das alles bezahlen muss. Bezahlt werden auch die überflüssigen Gesprächsrunden, Experten-Treffen einschließlich der Legionen von Eurokraten, die daran satt verdienen.  


Und die jetzt herrschenden Polit-Bürokraten sanieren sich, so lange sie leben.

Zum Beispiel: Reaktionsschnell haben Landtagsabgeordnete in NRW ihre Diäten krass erhöht, zugunsten ihrer Pensionen, damit sie, wenn es enger wird, nicht weniger, sondern mehr bekommen. Die anderen kriegen dann noch weniger.

Sie nutzen dabei zwei Verfassungs-Fehler aus.
1. Dass Abgeordnete eines demokratischen Parlamentes einfach ihr Einkommen beschließen wie in einem Märchen der Brüder Grimm.
2. Dass demokratisch auf Zeit gewählte Volksvertreter Schulden im Namen des Volkes machen dürfen, die über ihre Amtsperiode hinaus gehen.

Letzteres ist genau das, was bei der Griechenland-Pleite vertuscht werden soll; denn es ist keine Besonderheit Griechenlands. Fast alle Länder (außer China) machen diesen Fehler. Deutschland besonders krass und schon sehr lange.

Der deutsche Staat macht Schulden auf drei Ebenen: Bund, Länder und Kommunen. Dagegen sind die Schulden Griechenlands ein Klacks. Und wir können sie gemeinsam vertuschen.

Die eigenen Schulden aber werden uns einholen.  


Wohl dem, der in einem Parlament sitzt und schnell noch seine Zukunft absichert. Auf Kosten der anderen. Dagegen sind wir machtlos, weil die Paralmentarier (CDU, SPD und Grüne) die Verfassungs-Fehler geschickt für sich ausnutzen.

Das einzige was wir tun können, ist nie wieder zu einer Landtagswahl zu gehen.

Doch das wurde gestern schon gesagt.

 

Thursday, February 9, 2012

Nie wieder Landtagswahl! Zur Diäten-Erhöhung NRW

In dieser Woche hat der Landtag NRW seine Diäten um 500 Euro erhöht mit den Stimmen der SPD, der CDU und der Grünen. Damit liegen die
Gehälter der Abgeordneten erstmals über 10.000 Euro pro Monat.

NRW ist das Bundesland mit den höchsten Schulden (Landesschulden sind Staatsschulden, zusätzlich zu den Schulden des Bundes und der Kommunen). Die Diätenerhöhung ist also gleichzeitig eine Schuldenerhöhung.

Staatsschulden bedeuten, dass Politiker Geld ausgeben, das in Zukunft dem Volk weggenommen wird. Normalerweise tun sie das, um gut da zu stehen gegenüber Wählern und Steuerzahlern. Sie tun es, um gewählt zu werden.

In diesem Fall NRW, Februar 2012 ist der Fall viel krasser:

Die 500 Euro wandern in die Pensionskasse. Sie tun es also, um ihre eigene Zukunft finanziell zu sichern. Und in Form von Schulden nehmen sie dem Volk die finanzielle Zukunft weg.

Ist das Diebstahl? 
Ist es Raub?
Ist es kriminell?
Nein, es ist legal. In der Verfassung sind Fehler. Die Landtagsabgeordneten dürfen selber beschließen, wieviel sie verdienen. Das gibt es sonst nirgendwo, nur bei angeblich "demokratischen" Parlamenten und
natürlich in Diktaturen.

Was können wir als Geschädigte dagegen tun?

Zunächst einmal nur eins: Nie wieder an der Landtagswahl teilnehmen. Der Landtag ist überflüssig und parasitär. Er hat seine einzige Legitimation durch unsere Wahl und diese Legitimation müssen wir ihm entziehen.
Nie wieder Landtagswahl!

Thursday, January 5, 2012

Die Geldkrise / Essay in 4 Teilen

Teil 1
Was, wo und wieviel?

Seit der Jahrtausendwende (plusminus 10 Jahre) häufen sich Finanzkrisen. Erst der Zusammenbruch der New Economy, dann Asien- und Hypothekenkrise, zuletzt die sogenannte Euro-Krise. Es sind Symptome eines Zerfalls, der vom Geld- und Bankensystem ausgeht. Oft wird behauptet, dass niemand dieses System voll durchblickt. Das ist möglich, sogar wahrscheinlich, aber gerade, weil es ein riesiges, kompliziertes System ist, sollte nicht jeder versuchen, es ganz zu studieren, denn wir müssen schon vorher unsere Entscheidungen treffen.

 
So oder ähnlich verhält sich auch die Finanzindustrie, die einfach das, was sie weiß und die Mittel, die sie hat, ausnutzt, ihre Interessen zu vertreten und das sind satte Boni, Provisionen und erfolgreiche Spekulationen, häufig in Form von Insider-Geschäften. Jeder andere aber steckt ebenfalls in diesem System und überblickt einen gewissen Bereich, in dem er agieren kann und agieren muss. 


Aber die finanziellen Interessen für wenigstens 90% aller Menschen sind den Interessen der Finanzindustrie entgegengesetzt. Je tiefer unser Verständnis von der Funktionsweise des Finanzsystems aber ist, desto besser und sicherer werden unsere Entscheidungen sein.

Der erste Grundsatz zum Verständnis des Geld-Systems:
Es gibt viel zu viel Geld auf der Welt.

Dies erscheint all denjenigen absurd, die zu wenig Geld haben und das sind die meisten. Doch der Schein trügt. Etwa 90% bis 99,9% aller Menschen haben zu wenig Geld, das ist je nach Land oder "Kultur" verschieden, der Rest hat immens viel Geld, so dass es nicht nur für die wenigen, die es haben, sondern auch insgesamt zu viel wird. Daraus entstand das Problem der Reichen:

 
Wohin mit dem ganzen Geld?

 
Leider ist es nicht so, dass nur ein paar Prozente zu viel da sind oder doppelt soviel wie nötig. Nein, es ist wenigstens zehn mal soviel Geld vorhanden, wie nötig wäre, um alle Funktionen des Geldes zu erfüllen, außer der einen, Geld mit Geld zu verdienen

 
Dass Geld am einfachsten mit Geld zu verdienen ist, deutet bereits auf einen Fehler im System.

Die zweite Einsicht, die wir haben sollten ist folgende:
Geld ist ein vom Menschen künstlich geschaffener Wert.

Der Wert des Geldes beruht auf einer Vereinbarung, dass eine bestimmte Zahl auf einer Münze oder einem Schein, einem Konto einer Kredit- oder Geldkarte, einen festen materiellen Wert haben soll, der überall in der realen Wirtschaft gegen Waren einzulösen ist. Jetzt und in Zukunft. Ein Euro für einen Liter Wein. Tausend Dollar für einen Flug nach Afrika und zurück. 


Geld ist keine höhere Macht. Es kommt weder von Gott noch vom Teufel. Es ist weder der Grund des irdischen Glücks noch der Grund für alles Böse. Es ist eine Konvention, die nicht einmal unumstößlich ist.

Die Geld-Krise 2 / Geldreligion: In God we trust

Teil 2
In God we trust

Auf den amerikanischen Münzen steht der Spruch: "In God we trust." Damit war nicht gemeint, dass Geld gleich Gott ist, aber in USA wurde es so verstanden und da Amerika sehr offen für Religionen ist, entstand dort eine Geldreligion, für die es keinen Namen gibt.

Die Anhänger der Geldreligion wollen sie nicht benennen. Sie behaupten, Kapitalismus und Monetarismus seien keine Religionen und damit seien das auch nicht die richtigen Namen für ihre Geldreligion. Auch der Satz "Geld ist Gott" wird nicht direkt ausgesprochen, wahrscheinlich, um andere Religionen nicht (als Zweitreligionen) zu beleidigen.
Da jeder das Recht hat, seine eigenen Religion selbst zu benennen, müssen wir die Definitions-Verweigerung akzeptieren und nennen die Geldreligion nicht Kapitalismus, nicht Monetarismus, sondern einfach 

Geldreligion.

Die Geldreligion verkündet:
1. Geld sei der höchste Wert auf dieser Welt.
2. Für Geld könnte ich alles haben.
3. Um Geld zu bekommen, müsste ich alles tun.
4. Je mehr Geld ich besäße, desto besser.

Daraus resultiert aus europäischer Distanz: Geld ist für Anhänger der Geldreligion so etwas ähnliches wie die Gnade Gottes für gläubige Juden, Christen und Moslems.

Unsere dritte Erkenntnis über das Geld ist daher die Folgende:
Alle Glaubenssätze der Geldreligion sind falsch.

Wer sie anerkennt, benutzt die aggressive Ideologie des Geldes. Wer danach lebt, glaubt an die Religion, die besagt: Geld ist gleich Gott.Dieser Gedanke ist allerdings tückisch, weil er schwer zu widerlegen ist, denn Geld ist in alles andere umtauschbar, auch in die Dienstleistungen konventioneller Religionen.

Die Vereinbarung, aus der das Geld entstanden ist, lautete aber nicht Geld ist der höchste Wert auf Erden, sondern: Geld ist eine Zahl auf einer Münze oder einem Schein, einem Konto, einer Kredit- oder Geldkarte, die einem bestimmten materiellen Wert entspricht und gegen andere materielle Dinge, Waren, Arbeit und Dienstleistungen überall eingetauscht werden kann. Jetzt und in Zukunft. Aber nicht in alle Ewigkeit und nicht um jeden moralischen Preis!

Aus der Aufzählung der vielen Formen des Geldes, die nicht einmal vollständig sein mag, geht schon hervor, dass beim Umgang mit Geld eine starke Expansion stattgefunden hat. Erst Münzen, dann Scheine, dann Konten, die nur noch Buchungen sind, dann Kreditkarten und Geldkarten, welche elektronischen Buchungen entsprechen. 

Das Geld scheint eine Dynamik entwickelt zu haben. Doch das ist die falsche Sicht. Die Dynamik geht von Menschen aus, die arbeiten, handeln und Geldgeschäfte machen.

Die Geld-Krise 3 / Geldvermehrung und Vernichtung

Teil 3
Geldvermehrung und Vernichtung

Geld hat immer eine materielle Funktion gehabt, die auf einer Konvention beruht. Irgendwann wurde bei einigen Geschäften eine weitere Vereinbarung getroffen: 

Die Erhebung von Zinsen auf geliehenes Geld. 

Heute leihe ich dir 100 Lire, in einem Jahr zahlst du sie zurück. Aber ich will dann nicht 100, sondern 103 Lire von dir haben, zur Belohnung, weil ich dir Geld geliehen habe. Außerdem trage ich ein gewisses Risiko, einer von zwanzig Kreditnehmern zahlt nicht zurück. Das entspricht 5% Kreditausfall. Dieses Risiko sollst du mir vergüten, also musst du mir nach einem Jahr 108 Lire zurückzahlen.

Aus diesem Vorgang der Kreditvergabe ist das Bankenwesen entstanden, zuerst in Italien, daher haben wir die Währung Lira (Plural Lire), genannt, was einmal ein Pfund Silber bedeutet hat. Das Bankenwesen hat nach diesem ersten Erfolg gleich ein abstraktes Postulat aufgestellt:

Geld sollte sich vermehren.

Dies ist weder ein Gesetzt des Geldes, denn es geht aus der Konvention über Geld nicht hervor, es ist auch kein Satz der Geldreligion; denn die Forderung gab es schon vor der religiösen Phase. Innerhalb der Bankwirtschaft ist die Regel, dass Geld sich vermehren soll, eine Arbeitsanweisung. Nach außen hin ist es ein Postulat, das nicht jeder anerkennen muss, im Gegenteil:
Das Postulat, dass Geld Zinsen bringt und sich immer weiter vermehren soll, steht nicht nur im Widerspruch zu Bibel und Koran, sondern auch zu unserer Erkenntnis, dass jeder Gebrauchsgegenstand mit der Zeit an Wert verliert und  dass es bereits viel zu viel Geld auf dieser Welt gibt.

Das Bankenwesen hat trotzdem ein paar Jahrhunderte nach diesem Prinzip gearbeitet und damit sogar Geld erzeugen können (durch gironale Geldschöpfung). Zuletzt hat sich das Bankenwesen zur Finanzindustrie entwickelt, die mit Maschinen, sprich Computern, Geld so schnell verschiebt, dass es täglich um den Globus schwappt. Dabei ist die Geldmenge so stark angeschwollen, dass ab und zu Geldvernichtung in hohem Maße erforderlich wurde. Sonst würde das Geld an Wert verlieren. Und wer betreibt die Geldvernichtung?
Das Geldsystem selbst.

Die Geldvernichtung wird von den gleichen Leuten und Institutionen betrieben wie die Geldvermehrung, es ist eine Art der Entsorgung, die wie auf allen anderen Gebieten, wo entsorgt wird, zu den fiesen Seiten des Lebens gehört und wie das Beseitigen von Exkrementen im Geheimen (hinter verschlossenen Türen) geschieht. 

Dieser Vorgang ist im Finanzsystem aber nicht geregelt, er geschieht in einer Katharsis, ungewollt, kolikartig und ist mit Schmerzen und Krämpfen verbunden. Daher die große Angst vor diesem finalen Geld-Fäkalien-Geschäft.

Die Geld-Krise 4 / Geld und Ab-Geld

Teil 4
Geld und Ab-Geld, eine neue Perspektive

Die aktuelle Eurokrise ist genau genommen gar keine Geldkrise, sondern eine Drohung: Wenn ihr nicht mehr Euros erzeugt und/oder höhere Zinsen zahlt, dann kommt die Krise, eine Katharsis speziell im Euroland und da werdet ihr euch noch wundern, was euch blüht ! 

Was dabei verschwiegen wird, ist die Tatsache, dass die Krise ja immer zuerst die Finanzindustrie selber trifft und ihre besten Kunden. Es gibt also für Leute, die keine überschüssigen Millionen besitzen, keinen Grund zur Aufregung.

Wer die unkontrollierte Geldvernichtung in Krisenform nicht will, es weiß ja keiner, wen sie als nächstes trifft, der muss das Postulat der Banken ablehnen:
Geld muss sich automatisch vermehren.
Nein, im Gegenteil. 

Es ist bereits zu viel Geld vorhanden. Die Finanzindustrie soll gefälligst damit aufhören, das Geld  immer weiter zu vermehren und gegen Provisionen hin und her zu schieben und schließlich in die Hände von wenigen Großkunden zu schaufeln. Sie sollte sich wie früher Banken und Sparkassen darum bemühen, Geld und Kredit breit gefächert unter die Leute zu bringen. 

Think small! Geld ist nur dann gut für die Wirtschaft, wenn es gut verteilt ist.

Anstatt das Geld, das zu viel ist, dann und wann in riesigen Mengen zu vernichten, könnte es kontrolliert entsorgt werden: Jeder bekommt eine gewisse Menge Ab-Geld umsonst (bedingungsloses Grundeinkommen), das er nicht sparen soll, sondern schnell ausgeben muss, damit die Wirtschaft läuft. 

Damit das Ab-Geld fließt, bekommt es einen negativen Zins. Wenn einer es nicht ausgibt, wird es von selbst weniger. Es soll aber nicht weniger wert sein wie bei einer Inflation (da wird die Geldmenge ja vermehrt), sondern es wird zahlenmäßig weniger

Auf einer Geldkarte. Wo heute 100 drauf sind, wird nach einer Woche nur noch 99 drauf sein, wenn du es nicht ausgegeben hast. Das ist ein negativer Zins von 1% pro Woche. Also weg damit, in die freie Wirtschaft! 
(Die Idee ist 100 Jahre alt und stammt von Silvio Gesell. Erst heute ist sie mit Geldkarten leicht und überall zu verwirklichen.)

Das wäre eine Konvention, welche die unkontrollierte Geldvernichtung im Finanzsystem ersetzen könnte. Zum Wohle aller. 

Der Staat, der das zuerst einführt, wird glücklicher sein als andere Staaten, die sich dem jetzigen Finanzsystem ganz untergeordnet haben durch riesige Schulden und durch Akzeptanz aller Forderungen, Spielregeln und Drohgebärden: Wir nehmen euch den Euro weg, wenn ihr ihn uns nicht freiwillig gebt!