Friday, June 11, 2010
"Freiheit eines Krebsgeschwürs" Deutschland, ein Sommerloch (Essay in 3 Teilen/3)
3. Teil
Freiheit eines Krebsgeschwürs
Leute gehen, überwiegend montags, zum Arzt und erzählen ihm, was sie wollen:
Dass sie krank geschrieben werden wollen, dass sie krank sind oder dass sie sich unwohl fühlen, dass sie schlecht schlafen, keinen Sex haben, alkoholsüchtig seien oder farbenblind.
Der Arzt tut auch, was er will, er behandelt, verschreibt, schreibt krank, überweist ins Krankenhaus oder zu anderen Ärzten... oder er tut gar nichts und bestellt die Patienten wieder zur Beobachtung im nächsten Quartal.
Nur eins tut er bestimmt, er macht sich Notizen, Notizen, nach denen die Kosten der Behandlung berechnet werden. Dafür gibt es Organisationen, welche die Kosten anhand der Notizen so hoch wie möglich einfordern. Aber sie fordern nichts von den Patienten, der Patient erfährt nicht, was der Arzt über ihn aufzeichnet und was die Ärzte-Organisation für die Behandlung berechnet. Der Zusammenhang zwischen Behandlung und Berechnung wird auch nicht ernsthaft nachgeprüft oder kontrolliert.
Gelegentlich greift der Gesetzgeber hier ein und verkompliziert die Sache dergestalt, dass die Ärzte nicht mehr wissen, wieviel sie am Ende erhalten werden. Das stachelt sie zu weiteren quantitativen Leistungen an. Der Patient kümmert sich überhaupt nicht um die Finanzierung, sondern das tut die Krankenkasse, sie bezahlt in der Regel die Forderungen der Ärzteorganisationen und die der Pharmalieferanten, Apotheken und Reformhäuser, auch Therapeuten, Rehabilitationszentren, Massagen, Bäder, Kuren, Prothesen, Bestrahlungen usw. usw.
Hier könnte man glauben, die Pflicht-Krankenkassen wären schnell am Ende ihrer Zahlungsfähigkeit, aber nein, sie halten sich an... nein, nicht an die Patienten, also an diejenigen, die Leistungen empfangen, sondern an den Staat. Der Staat zahlt aber auch nicht, sondern er sagt nur per Gesetz, von wem wie viel gezahlt werden muss... auch wieder nicht von den Leistungsempfängern, auch nicht von allen, nein nur von den Lohn- und Gehaltsempfängern, da aber auch wieder nicht von allen, sondern nur von den Empfängern kleiner und mittlerer Einkommen, nicht von denen mit hohem Einkommen.
Alles Klar?
Niemand erfährt, was ein Arztbesuch kostet, aber jeder, der arbeitet erfährt wie viel von seinem Lohn für die Sozialabgaben abgeführt wird, nämlich ungefähr 40% mit immer noch steigender Tendenz. Das Ganze funktioniert genau so wie ein wucherndes Krebsgeschwür, es ist völlig außer Kontrolle und trotzdem glaubt die Mehrheit, davon zu profitieren. Das ist Illusion. Die Profiteure sind nur die Dienstleister, Lieferanten und Organisatoren: Gesundheitsindustrie, Krankenkassen und Ärzteorganisationen.
Die Betrogenen sind an erster Stelle die Empfänger kleiner und mittlerer Löhne und Gehälter, an zweiter Stelle die echten Kranken an dritter Stelle auch medizinisches Personal wie Krankenschwestern. Ein Grenzfall sind Krankenhausärzte, es ist schwer zu sagen ob sie zu den Opfern oder den Nutznießern gehören, denn das ist unterschiedlich. Die Chefs, sie nennen sich Professoren, verdienen riesig mit ihren Oparationen.
Unter denen, die das Gesundheitssystem in Anspruch nehmen, leiden vor allen Dingen diejenigen, die wirklich krank sind; denn sie werden nicht geheilt. Das System ist nicht auf Heilung ausgerichtet, sondern auf Diagnose, Behandlung und Gewinn.
Wie es keine Kontrolle über die Entstehung der Kosten gibt, gibt es auch keine Kontrolle über das Ergebnis der Behandlung. Ärzte die heilen, verdienen weniger als Ärzte, die nur diagnostizieren und dann weiter behandeln... im nächsten Quartal. Das System produziert nicht nur Leerlauf und Fehldiagnosen, es produziert neben neuen Medikamenten und Apparaten auch neue Krankheiten.
Warum die gewählten Politiker ihre Aufgabe darin sehen, die von den Kassen geforderten Milliarden, die das Gesundheitssystem verschlingt, bei den Empfängern kleiner und mittlerer Einkommen einzutreiben, ohne das System zu verändern, ist ein Rätsel; es lässt an der geistigen Normalität dieser Damen und Herren zweifeln. Ebenso rätselhaft ist in der heutigen Zeit die Funktionsweise der Pflicht-Krankenkassen, der Ärzteorganisationen und die Notwendigkeit ihrer Luxusbauten. All das, was sie tun und leisten, ließe sich mit entsprechender Software durch ein paar Computer in einem trockenen, gut gelüfteten Keller ersetzen...
Fragt mich bitte nicht, wo das enden wird!
Vor ein paar Jahren hätte ich gesagt, es endet in einer großen Koalition, wo CDU und SPD gemeinsam die gröbsten Fehler beseitigen, die sie einzeln angerichtet haben. Die große Koalition war da und was hat sie getan? Sie hat die Mehrwertsteuer um 3% erhöht. Das hätte jeder Kaufmannsgehilfte auch gekonnt. Dafür brauchen wir keine Kanzlerin, die vorher Diplomphysikerin war. Dafür brauchen wir auch keine Bundestagswahlen.
Also wo wird es enden?
Es wird enden wie in der sogenannten dritten Welt in einer speziellen Art von Kleptokratie, wo sich nicht ein Marcos, Mobutu oder Moi bereichert, sondern eine Staats-Kaste als Inhaber der Infrastruktur und der Gesetzgebung.
Die Zahl der Profiteure lässt sich dann schließlich noch etwas reduzieren zugunsten des harten Kerns der Staatsdiener, weil die Freiberufler, die jetzt dank ihrer FDP noch mit kassieren, also Ärzte, Anwälte und Steuerberater, weil die, wenn es ganz hart kommt, noch aus dem sinkenden Boot geworfen werden können. Sie haben viel zu wenige Abgeordnete in den Parlamenten. In den Parlamenten sitzen zu 60% die "Staatsdiener".
Wahrscheinlich werden die arbeitslosen Massen dann in Slums leben. Wer sich einen Reisepass leisten kann, wird abhauen; denn die Slums in warmen Ländern der EG sind angenehmer als die Slums im Norden (Liverpool, Glasgow, Gelsenkirchen). Neapel ist zum Beispiel sehr malerisch "oh mia bella Napoli" oder demnächst Istanbul. (Jörg Fauser war schon dort.) Wenn die Türkei der EG beigetreten ist, gilt auch dahin die Freizügigkeit.
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